Rückenschmerzen

30. Juli 2018

Das Grundsätzliche erklärt.

Rückenschmerzen können vielfältige Formen annehmen –

Das Grundsätzliche

Wenn ein Patient mit Rückenschmerzen zum Arzt geht, dann ist dieser voll und ganz auf die subjektiven Eindrücke und Erfahrungen des Betroffenen angewiesen. Denn die Lokalisation, also die genaue Verortung des Schmerzes, lässt sich nicht mittels Labortests oder technischen Verfahren mit Sicherheit vornehmen. Immer dann, wenn von Rückenschmerzen die Rede ist, dann kann man gewiss von einer Zivilisationskrankheit sprechen – noch vor 100 bis 150 Jahren wurde von Dorsopathien, wie man Rückenschmerzen und Krankheiten der Wirbelsäule auch nennt, nur in ganz geringem Maße berichtet.

Zum Verständnis: Grundsätzlich werden Rückenleiden, wozu naturgemäß Rückenschmerzen zählen, anhand ihrer Dauer eingeordnet. Etwa vier von fünf Menschen in Deutschland werden im Laufe ihres Lebens statistisch gesehen mit Rückenschmerzen konfrontiert, am häufigsten Probleme macht uns dabei die Lendenwirbelsäule (LWS).

Zur Definition von Rückenschmerzen

In der aktuell gültigen Fassung der ICD-10, dem weltweit anerkannten Kompendium der medizinischen Diagnosen, werden Rückenschmerzen mit M54 bezeichnet. Diese Zahl, eingeführt von der Weltgesundheitsorganisation, sorgt dafür, dass die Krankheit international definiert und erkannt werden kann. Für Behandlungserfolg, Therapieansatz und Co. ist aber eher die Rückenschmerzen-Definition nach der Dauer relevant.

  • Akute Rückenschmerzen: unter sechs Wochen
  • Subakute Rückenschmerzen: sechs bis zwölf Wochen
  • Chronische Rückenschmerzen: mehr als zwölf Wochen

Die genannten Arten von Rückenschmerzen unterscheiden sich stark hinsichtlich ihres Schweregrades sowie der Einschränkungen, die damit tatsächlich im Alltag verbunden sind. Zudem hat jeder Mensch ein anderes Schmerzempfinden, was einmal mehr erklärt, weshalb eine möglichst genaue Beschreibung für den behandelnden Arzt so wichtig ist, da sich hierdurch Fehldiagnosen und unnütze Therapien vermeiden lassen.

Hier folgen weitere Ausführungen, die es braucht, um ein Verständnis über dieses Krankheitsbild zu erhalten. Los geht’s!

Spezifisch oder unspezifisch, das ist hier die Frage!

1. Unspezifische Rückenschmerzen

In jedem Alter sind Einschränkungen der Wirbelsäule grundsätzlich denkbar, denn es gibt diverse Faktoren, die es hier zu berücksichtigen gilt. Die meisten Betroffenen leiden unter sogenannten unspezifischen Rückenschmerzen, in Medizinerkreisen kursieren auch Synonyme wie nichtspezifische bzw. funktionelle Rückenschmerzen. Wenn man hier eine fundierte Diagnose ansetzt und es nicht zu einer Festsetzung des Schmerzes kommt, ebenso wenig wie zu chronischen Rückenschmerzen, dann handelt es sich im Fachjargon um eine „vorübergehende Gesundheitsstörung“ – unspezifische Rückenschmerzen gelten damit explizit nicht als Krankheit, sondern als größtenteils harmlose, nur vorübergehende Gesundheitsbeeinträchtigung.

Es geht hier um Verspannungen, Verhärtungen oder Reizungen, möglicherweise auch um Verkürzungen oder Überdehnungen – ausgehend insbesondere von der Rückenmuskulatur, wo sich die weichen aktiven Bewegungselemente befinden, keine Knochen. In einigen Fällen berichten Betroffene auch von Einschränkungen der Bänder, Sehnen oder Faszien.

Die Ursachen für unspezifische Rückenschmerzen liegen meist in Fehlbelastungen, hervorgerufen durch Übergewicht, das Heben und Tragen schwerer Lasten, durch Bewegungsmangel, regelmäßige Überkopfarbeit (wie bei Malern, etc.) oder Arbeiten, bei denen man sich häufig bücken oder den Oberkörper beugen muss. Wer im Büro arbeitet, kann dadurch eventuell eine Fehlbelastung begünstigen, wenn die Ergonomie der Büromöbel deutlich unzureichend ist.

2. Spezifische Rückenschmerzen

Anders gelagert ist das Ganze hingegen dann, wenn es sich um Erkrankungen der Wirbelsäule handelt, um konkrete Verformungen oder aber entzündliche Erkrankungen der Muskulatur oder des Bindegewebes – hier spricht man dann von spezifischen Rückenschmerzen, die vor allem mit fortschreitendem Alter (ergo: Fehlbelastungen) auftreten.

Bestimmte Berufsgruppen sind aufgrund einseitiger, regelmäßiger Belastungen deutlich häufiger als andere betroffen. Dabei muss man aber klarstellen, dass ein gewisser Grad an Gelenkverschleiß über die Jahre vollkommen normal und in der Regel mit nur wenig Schmerz verbunden ist. Diagnosen wie Spondylarthrose, also eine Arthrose der Wirbelsäule, sind nur mit höherem Aufwand als verschleißbedingte Rückenschmerzen zu treffen.

Spezifische Rückenschmerzen sind immer krankhaft, was bedeutet, dass eine ganzheitliche Therapie unabdingbar ist. Kommen Begleitsymptome wie Gelenkschwellungen, Hautausschläge, Fieber, Müdigkeit oder andere hinzu, so kann dies ein Indiz dafür sein, dass es übergeordnet um eine Erkrankungen am Rücken geht – oder der Rücken hierdurch miteinbezogen wird.

Exkurs: Das Lumbalsyndrom (Kreuzschmerzen)

Wenn sich Rückenschmerzen im unteren Rücken, also im Bereich der Lendenwirbelsäule und der Illiosakralgelenke zeigen, spricht man im Volksmund auch von Kreuzschmerzen. Sie betreffen Menschen jeder Altersgruppe und werden, gerade auch bei jungen Erwachsenen, vor allem durch zu langes Sitzen und manifestierte Haltungsschäden hervorgerufen.

Es gibt drei verschiedene Stadien des als Lumbalsyndrom bezeichneten Kreuzschmerzes:

  • Lokales Lumbalsyndrom: Kreuzschmerzen beschränkt auf die Lendenwirbelsäule.
  • Lumbales Wurzelsyndrom: Ausstrahlung der Schmerzen ins Bein.
  • Alarmierendes Lumbalsyndrom: Weitere Symptome, darunter Lähmungen, Harn- und Stuhlinkontinenz und andere, treten begleitend auf.

Die Ursachen für Kreuzschmerzen können vielfältig sein, mit steigendem Alter geht es aber zumeist um Verschleißerscheinungen der Wirbelsäule. Psychosomatische Ursachen sind ebenso denkbar, wie die Assoziation mit anderen Krankheiten oder Krankheiten seit der Geburt. Wer seine Wirbelsäule nebst Bandscheiben auf Dauer belastet, wozu übrigens auch der aufrechte Gang gehört, begünstigt die Entstehung von Kreuzschmerzen signifikant. Eine Schonung der Wirbelsäule in Kombination mit einer Stärkung der Rückenmuskulatur und einem konstanten Wechsel von Be- und Entlastung des Rückens verspricht eine ganzheitliche Prävention.