Anamnese

28. August 2018

Eine genaue Diagnose ist wichtig.

Ausführungen zur Diagnose bei Rückenschmerzen

Bei der Diagnose von Rückenschmerzen geht es um eine Kombination aus Befragung, Anamnese und Beschreibung des Schmerzes. Der Patient muss aktiv daran mitwirken und möglichst genau auf die Fragen des Arztes antworten, denn diesem stehen nicht wie bei anderen Erkrankungen vielfältige Diagnosegeräte zur Verfügung, die eindeutige Aussagen treffen könnten.

Bei der Diagnose von Rückenschmerzen geht es darum, die Ursachen für Rückenschmerzen zu analysieren, die Schwere der Rückenschmerzen einzuordnen und Faktoren zu finden, die etwa die Entwicklung chronischer Rückenschmerzen begünstigen würden.

Zu Beginn geht es in der Anamnese darum, die Ausprägungen des Schmerzes zu erfassen. Gängige Fragen gehen in Richtung

  • Lokalisation der Rückenschmerzen;
  • Ausstrahlung der Rückenschmerzen (seitlich, oberhalb oder unterhalb des Knies);
  • Dauer der aktuellen Rückenschmerzen;
  • Frühere Beschwerden sowie Therapien;
  • Faktoren, die als Auslöser herhalten oder die Entstehung von Rückenschmerzen begünstigen;
  • Stärke der Schmerzen bei verschiedenen Tätigkeiten, Begleitkrankheiten oder -beschwerden;
  • weitere Aspekte, etwa psychosozialer Natur (Stress, Belastungssituationen, etc.).

Damit eine Therapie auch von allen involvierten Ärzten, Physiotherapeuten und Co. verstanden wird, greifen Ärzte bei der Diagnose von Rückenschmerzen auf einen standardisierten Schmerzfragebogen zurück.

Welche Bedeutung hat das Flaggenmodell?

Über die Jahre hat sich ein Flaggenmodell eingebürgert, welches dabei helfen soll, die Therapie besser zu planen und relevante Aspekte der Diagnostik zu berücksichtigen. Auch für Betroffene ist die Einstufung der Erkrankung sinnvoll, denn dadurch werden Rückenschmerzen mit Begleitsymptomen oder Vorerkrankungen in Verbindung gesetzt, die dabei helfen, spezifische Ursachen schneller zu erkennen. Denn spezifische Rückenschmerzen haben immer einen krankhaften Charakter, sie müssen in jedem Fall ärztlich behandelt werden.

Rote Flaggen gehen entsprechend in diese Richtung, während gelbe Flaggen das Augenmerk auf psychosoziale Faktoren legen, die ein nicht unerhebliches Risiko darstellen. Das Risiko ist vor allem deshalb nicht zu vernachlässigen, weil die Gefahr besteht, dass sich akute Rückenschmerzen in chronische Rückenschmerzen verwandeln. Viele Studien deuten mittlerweile darauf hin, dass Konflikte am Arbeitsplatz, Depressionen oder belastende Auseinandersetzungen im privaten Umfeld ein nicht unerhebliches Risiko darstellen.

Natürlich geht es bei der Diagnose von Rückenschmerzen auch um mechanische Einflüsse, wie etwa Fehlbelastungen durch die Arbeit. Denn sie beschleunigen den natürlichen Verschleißprozess und können schon in jungen Jahren für die Entstehung von Rückenschmerzen (mit)verantwortlich sein.

Ein Hinweis zum Schluss:

Rückenschmerzen haben meist nicht einen, sondern mehrere, teils verschiedene Ursachenherde. Die Schulmedizin ist kein Allheilmittel und kann vieles, was relevant sein kann, gar nicht durch Diagnostik miteinbeziehen. Es gibt Fälle, wo das Verständnis vorherrscht, dass Schmerz eine ausschließlich körperliche Erscheinung ist und entsprechend körperliche Erkrankungen die Ursache bilden – mittlerweile weiß man, dass dies nicht stimmt und Schmerz vielfältige Ursachen hat, auch und vor allem psychosozialer Art. Es sollte daher immer mit gesundem Menschenverstand abgewogen werden, ob eine Art „Untersuchungsmarathon“ tatsächlich so sinnvoll ist. Je ehrlicher man mit sich selbst und seinem Umgang mit der Arbeit, Konflikten und dergleichen ist, desto mehr Anhaltspunkte gibt es, letztlich genauer auf die Ursachen zu schließen und die Behandlungsmethode entsprechend ansetzen zu können.