Faszien

18. Dezember 2018

Was sind Faszien überhaupt?

Jeder, der schon einmal Fleisch geschnitten hat, hat sie bereits bemerkt: die milchig-weißen, das Fleisch umhüllenden Häute namens Faszien. Diese Muskeln umhüllende und einzelne Muskeln voneinander abgrenzende Gewebeform kommt aber längst nicht nur bei Tieren vor – auch wir Menschen haben Faszien. Und zwar aus gutem Grund!

Übrigens: Auch die Pflanzenwelt kommt nicht ohne derartige formgebende Häute aus. Ein gutes Beispiel hierfür sind die einzelnen Fruchtkammern von Orangen und weiteren Zitrusfrüchten. Genau wie im menschlichen Körper gewährleisten die feinen Häute den Zusammenhalt der einzelnen Fruchtbestandteile und trennen diese zugleich räumlich voneinander ab.

Dieser Artikel beantwortet die Frage, was Faszien eigentlich genau sind. Neben dem Aufbau und den Aufgaben des Gewebes werden wir auch die Folgen im Falle einer Verklebung sowie die Therapiemöglichkeiten erläutern.

Faszien – vielen besser als Bindegewebe bekannt

Der Begriff Faszien leitet sich aus dem lateinischen Wort fascia für “Band“ oder “Bandage“ ab; im Deutschen wird er zumeist als “Band“, “Bündel“ oder “Binde“ übersetzt. Insbesondere der letzte Begriff lässt vermuten, was Faszien sind: Das Fasziengewebe bildet die Weichteil-Komponente unseres Bindegewebenetzwerks, das im gesamten Körper anzutreffen ist; es wird umgangssprachlich auch als Bindegewebe bezeichnet. Es handelt sich um ein Geflecht aus faserigen Häuten und Strängen mit einer milchig-weißen Färbung. Diese Häute umhüllen nicht nur unsere Muskeln, sondern auch unsere Knochen und Organe.

Fasern aus Elastin und Kollagen

Das weißliche, leicht durchsichtige Gewebe ist zwischen 0,5 und 3 Millimeter dick. Seine einzelnen Fasern setzen sich in erster Linie aus den Strukturproteinen Elastin und Kollagen zusammen. Ersteres gewährleistet die Dehnbarkeit und Geschmeidigkeit des Gewebes. Kollagen sorgt wiederum für die notwendige Reißfestigkeit. Darüber hinaus bestehen Faszien aus Wasser, Zucker und anderen Klebstoffen. Es sind diese Bestandteile und Merkmale des Bindegewebes, die unseren Körper stabil und elastisch machen.

Faszien sind zwar nur einige Millimeter dick, machen aber einige Kilogramm des Gesamtkörpergewichts aus.

Formgebend, stabilisierend, räumlich trennend

Wie bereits erwähnt, hat die Weichteil-Komponente des Bindegewebes allgemein die Aufgabe, verschiedene Bestandteile des Körpers zu umschließen, um ihnen Stabilität und Form zu geben. Sie trennt die Strukturen zudem räumlich voneinander ab. Muskelfaszien, sprich: jenes Gewebe, das die Muskeln umgibt, sorgt darüber hinaus dafür, dass einzelne Muskeln nicht aneinander reiben, womit eine Abnutzung und Schmerzen verbunden wären. Sehr wichtig ist auch die Aufgabe der Kraftübertragung von einem Muskel zum anderen,ohne die wir uns nicht (richtig) bewegen könnten.

In der Wissenschaft geht man heutzutage davon aus, dass Faszien ein Kontraktionspotenzial haben: Dadurch, dass sie sich zusammenziehen können, sollen sie die Muskeln bei ihrer Arbeit unterstützen und die Beweglichkeit des Körpers verbessern.

Wenn die Faszien verkleben

Um die obigen Aufgaben erfüllen zu können, sind die einzelnen Faszien-Fasern als eine Art wellenförmiges Gitter angeordnet. Es gibt jedoch verschiedene Faktoren, welche die Fasern verdrehen, verhärten und verfilzen können, sodass diese Anordnung durcheinander gerät. Dann ist allgemein von verklebten Faszien die Rede. Mögliche Ursachen hierfür sind:

  • eine Überlastung von einzelnen Körperbereichen
  • Verletzungen
  • Stress
  • zu wenig Bewegung
  • fortgeschrittenes Alter.

Ist das Bindegewebe verklebt, kann die Bewegungsfreiheit darunter leiden und Schmerzen können die Folge sein. Das trifft vermehrt auf die Rücken-, Nacken- und Schultermuskulatur zu. Worin der Zusammenhang genau besteht, ist allerdings noch nicht 100-prozentig geklärt. Eine Theorie besagt, dass die Verhärtung der Faszien zu kleinen Verletzungen führt, die sich entzünden und somit Schmerzen begünstigen. Ein anderer Erklärungsversuch besteht darin, dass die Schmerzrezeptoren des Körpers die geweblichen Veränderungen wahrnehmen und diese als “Schmerz“ an das Gehirn übermitteln. Und dann gibt es noch die Theorie, dass verklebte Faszien am Muskel anhaften und so das Zusammenspiel der beiden Strukturen beeinträchtigen, wodurch u.a. das reibungslose Gleiten des Muskels gehemmt wird.

Die Therapie mit Faszienrolle und Co.

Für die Behandlung von verklebten Faszien und den damit verbundenen Schmerzen gibt es verschiedene Ansätze. In erster Linie ist das Faszientraining mit der sogenannten Faszienrolle zu nennen. Die spezielle Massage mit der Schaumstoffrolle lässt sich ganz einfach in den eigenen vier Wänden durchführen. Sie zielt darauf ab, verklebte Faszien zu lösen und das Gewebe zu stimulieren. Idealerweise erlernt man die Handhabung der Rolle zunächst unter professioneller Anleitung.

Nur zwei weitere Möglichkeiten für die Therapie sind das Rolfing und das Fasziendistorsionsmodell (kurz: FDM). Beide Verfahren arbeiten mit speziellen Handgriffen, die die Strukturen lösen bzw. “entkleben“ sollen.

Damit die Faszienerst gar nicht verkleben

Es empfiehlt sich, ein regelmäßiges Training mit der Faszienrolle durchzuführen. Und auch ein Ganzkörper-Stretching, Yoga, Qi Gong und weitere Trainingsmethoden können das Gewebe stärken und gesund halten,indem alte Kollagenfasern durch neue ersetzt werden. Doch achten Sie dabei stets darauf, dass das Training aus weichen und dynamischen Dehnübungen besteht.