Besser sehen mit Augenübungen

1. Juli 2021

Ist das möglich?

Ist das möglich?

Durch Augentraining besser sehen, kann das sogar die Brille ersetzen? Gute Frage, dem wollen wir mal nachgehen. Zurzeit sitzen viele Menschen bedingt durch Homeoffice täglich acht und mehr Stunden vor dem Bildschirm. In bestimmten Bereichen dürfen Arbeitnehmer 12 Stunden am Tag beschäftigt werden, hat der Gesetzgeber 2020 sogar beschlossen.

Und auch nach Feierabend gibt es oftmals keine Entspannung für unsere Augen, da wird munter weiter auf das Handy geschaut oder stundenlang das Fernsehprogramm goutiert. Wie gesund das für unsere Augen ist, muss man nicht länger erläutern. Die stundenlange Bildschirmarbeit hat schwerwiegende Folgen für unsere Augen.

Augenerkrankungen haben stark zugenommen

Verschiedene Studien aus Kanada, dem US-Bundesstaat Maryland und auch aus Japan haben gezeigt, dass Augenerkrankungen stark zugenommen haben. So sollen schon bis zu 25 Prozent der Menschen an der digitalen Augenkrankheit, dem „Office Eye Syndrom“ (übersetzt Büro-Augen-Syndrom) leiden. Die Keratoconjunctivitis sicca (kurz KCS) wird auch als Syndrom des trockenen Auges bezeichnet und ist ein durch Trockenheit der Augen gekennzeichnetes Krankheitsbild aus der Augenheilkunde.

Der Begriff „Keratoconjunctivitis sicca“ wurde zu Anfang der 1930er Jahre durch den schwedischen Augenarzt Henrik Sjögren im Zuge der Erforschung des Sjögren-Syndroms geprägt. Davon abgeleitet hat sich der Begriff Sicca-Syndrom entwickelt, zu dem als ein Teil der Sicca-Symptomatik auch die Keratoconjunctivitis sicca zählt. 

Das „Office Eye Syndrom“ hat Deutschland schon lange erreicht. In den Augenarzt-Praxen berichtet jeder fünfte Patient von brennenden, juckenden und lichtempfindlichen Augen. Der häufigste Grund ist, dass die Augen zu wenig Tränenflüssigkeit haben. Das trockene Auge ist eine weit verbreitete Erkrankung und sogar eines der häufigsten Probleme in der Augenarztpraxis, schreibt auch die Barmer Krankenkasse.

Computer, Überwachungsmonitore, Laptops, Smartphones, Tablets und Fernseher strengen unsere Augen übermäßig an. Nur wie kommt es zu dem Krankheitsbild des trockenen Auges? Beim ständigen Sehen auf Bildschirme erfolgt kein dynamisches Sehen, sondern ein starres Sehen. Das hat zur Folge, dass sich der dynamische Sehvorgang komplett verengt.

Die natürlichen Augen-Reflexe wie zum Beispiel das Blinzeln, die beim Blickwechsel durch das Nah- und Fernblicken entstehen, werden unterdrückt. Der starre Blick führt dazu, dass wir anstelle von 20 bis 25 Lidschlägen pro Minutenur noch 2 bis 4 Lidschläge machen. Wenn also unsere Augen immer auf dieselbe Entfernung eingestellt sind, folgt daraus eine Art Spasmus (Krampf, Verkrampfung) der inneren und äußeren Augenmuskulatur. Diese kann sich nun nicht mehr entspannen.

Was dadurch passiert, erklärt uns die Optik-Akademie: „Ein solcher Lidschlag dient der Neuverteilung des Tränenfilms über dem Auge, speziell der Lipide. Lipide sind Öl-Fett ähnliche Stoffe, welche die oberste Schicht des Tränenfilms bilden und primär eine Verdunstung der darunter liegenden wässrigen Schicht verhindern sollen. Durch den drastisch verminderten Lidschlag bei Computerarbeit nimmt die Hornhautdicke um bis zu ca. 25 % ab, wodurch die Zeitspanne, in der unser Tränenfilm zwischen den Lidschlägen stabil bleibt, um 45 % abnimmt.“

Das hört sich nicht gut an. Trockene, brennende, gerötete Augen und verschwommene Sicht, Licht- und Blendempfindlichkeit, Kopfschmerzen und Müdigkeit können nicht das Ziel unserer Arbeit sein. Wenn bei euch diese Symptome auftreten, sind das Anzeichen für die digitale Augenkrankheit, das „Office-Eye-Syndrom“.

Liegt ein „Office-Eye-Syndrom“ vor, kann nur der Augenarzt Abhilfe leisten. Der Berufsverband der Augenärzte Deutschland e.V. merkt zum genauen Vorgehen an: Diagnoseverfahren und Behandlung von trockenen Augen.
Untersuchung mit der Spaltlampe: Mit seinem Biomikroskop, der Spaltlampe, untersucht der Augenarzt die Augenoberfläche genau, gegebenenfalls färbt er dazu mit einem Farbstoff den Tränenfilm ein.
Beurteilung der Tränenauffrischzeit: Mit Hilfe der Spaltlampe kann der Augenarzt bestimmen, wie viel Zeit zwischen dem Lidschlag und dem Aufreißen des Tränenfilms vergeht.
Der Schirmer-Test: Hier untersucht der Augenarzt die Menge der Tränenproduktion mithilfe eines kleinen Filterpapierstreifens, den er ins Auge legt. Nach kurzer Zeit kann abgelesen werden, wie weit der Streifen befeuchtet ist. Zur Behandlung des trockenen Auges stehen verschiedene Tränenersatzmittel zur Verfügung. In bestimmten Fällen kann zusätzlich eine entzündungshemmende Behandlung sinnvoll sein.

Weitere Ursachen für die Belastungen unserer Augen sind Beleuchtungsmängel, trockene Heizungsluft, Zugluft, Klimaanlagen und häufige Temperaturunterschiede. Die BARMER schreibt zu den weiteren Ursachen für das Sicca-Syndrom, das Krankheitsbild sei komplex und vielfältig.

Als Auslöser kommen hormonelle Veränderungen infrage, beispielsweise in der Schwangerschaft oder den Wechseljahren, aber auch die Einnahme von bestimmten Medikamenten wie Betablockern, der Antibabypille oder Psychopharmaka. Auch das Tragen von Kontaktlinsen oder Erkrankungen wie Diabetes, Rheuma oder Neurodermitis können die Erkrankung hervorrufen. Äußere Bedingungen wie Umweltbelastungen durch Staub und länger andauernde Bildschirmarbeit verstärken die Beschwerden häufig zusätzlich. 

Kann Augentraining helfen?

Unsere Augen vollbringen tagtäglich Höchstleistungen und der Büro-Job ist Schwerstarbeit für unsere Augen. Doch kann man mit Augentraining Erkrankungen vorbeugen? Wissenschaftlich erwiesen ist das bis heute nicht, aber es gibt viele Menschen, denen es anscheinend geholfen hat. Der Ursprung des Augentrainings geht auf den US-amerikanischer Augenarzt William Bates zurück. Dieser hatte ein von ihm entwickeltes und nach ihm benanntes Augentraining (Bates Methode) entwickelt. Es war seinerzeit die Arbeitsgrundlage zahlreicher sogenannter Sehschulen. Bates vertrat die Auffassung, dass Augen bis ins Alter ohne Brille auskommen können, und genau daran scheiden sich die Geister.

Er publizierte 1920 seine Theorie des Augentrainings in dem Buch „Perfect Sight Without Glasses“ und im Magazin „Better Eyesight“in den Jahren 1919 bis 1930. Eine seiner Empfehlungen war, abwechselndes Fixieren und Lockerlassen des Blicks und die Vermeidung von „ungesundem“ Starren“. Von stundenlanger Bildschirmarbeit hatte er zwar noch zu dieser Zeit nichts gewusst,aber den Kern der Sache erkannt. 

Heute wissen wir, dass Sehtraining sehr wohl helfen kann, wenn Sehstörungen durch langes Starren auf Texte oder den Bildschirm auftreten. Die besten Erfolge beim Augentraining lassen sich nach Angaben des Vereins für Gesundes Sehen e.V. bei Alterssichtigkeit, Weitsichtigkeit und Kurzsichtigkeit erzielen.

Karotten steigern nicht das Sehvermögen

Neben dem Augentraining spielt die Ernährung eine wichtige Rolle. Besonders wichtig ist das Vitamin A. Es spielt nämlich eine wichtige Rolle beim Sehen und unterstützt nebenbei die Erneuerung von Schleimhaut, Haut und Blutkörperchen, berichtet die Zeitschrift Fit for Fun. Auch gut für die Augen sind Vitamin C in Kiwis, Grünkohl, Zitrusfrüchten und Paprika. Um Vitamin E und Vitamin-A-Vorstufen, dazu gehören auch die Karotten, gibt es bis heute einen Gesundheitsmythos. Nur können die Vitamin A-reichen Karotten weder das Sehvermögen steigern, noch eine Sehschwäche beheben.

Viele Sehtrainer behaupten, dass mit dem richtigen Training sich gut 40 Millionen Bundesbürger ihre Brille oder Kontaktlinsen sparen könnten. Nur die Augenärzte sagen dazu: Ein positiver Effekt, durch Augentraining Kurzsichtigkeit korrigieren zu können, ist wissenschaftlich nicht belegt. Die Kritiker meinen, wenn alle täglich ein kleines Augentraining machen würden, hätten die Augenärzte und Optiker wenig zu tun. Aber aus dieser Diskussion halten wir uns raus.

Augentraining kann keine Augenerkrankung heilen

Anmerken müssen wir: Laut dem Online-Portal medizin transparent, hinter dem das unabhängige Wissenschaftsnetzwerk Cochrane Österreich steht, ist bei Kurzsichtigkeit laut aktueller Studienlage nicht von einem vorbeugenden oder therapeutischen Effekt durch Augentraining auszugehen. Bei den meisten Augenerkrankungen fehle ein entsprechender Wirknachweis, heißt es in der Einschätzung. Gefährliche Nebenwirkungen seien durch das Training aber auch nicht zu erwarten, meint die Apotheken Umschau.

Nun geht es hier aber nicht um Augenerkrankungen, sondern um Augenstress am Bildschirm und um den Digitalen Arbeitsplatz. Und hier können sehr wohl durch Augentraining Verbesserungen eintreten.Denn die Blaulichtanteile schädigen die Netzhaut. Ihr könnt Folgendes machen. Regelmäßig blinzeln, kleine Pausen einlegen und immer mal wieder euren Blick vom Bildschirm lösen und in die Ferne schauen. Durch das zwischenzeitliche Blicken in die Ferne kann der Sehstress reduziert werden, eure Augen werden besser befeuchtet und der Lidschlag wird wieder häufiger.

Das Palmieren

Auch das zwischenzeitliche Ausruhen der Augen ist sehr wichtig. Eine effektive Methode ist das sogenannte Palmieren. Dazu schreibt apotheken.de: „Das Palmieren ist eine einfache Entspannungsübung. Setzen Sie sich dazu bequem hin, schließen die Augen und legen beide Hände leicht gewölbt über die Augäpfel. Die Handballen liegen dabei auf den Wangenknochen, die Fingerspitzen auf der Stirn und die Handflächen berühren dabei die Augen nicht“.

Wichtig ist dabei, dass die Augen vollkommen abgedeckt sind und vollkommene Dunkelheit entsteht. Diese Dunkelheit müsst ihr so lange beibehalten, bis sie hinter den geschlossenen Lidern wahrnehmbar ist. Erst dann schalten sich eure Sehzellen ab und das Auge kann entspannen.

Zum Schluss können wir euch noch das Augen-Yoga anbieten

Nach William Bates, dem Erfinder des Augentrainings, haben viele Standard-Übungen mit Bewegungsabläufen zu tun. Also sollte sich auch das Auge bewegen. Augen-Yoga soll dabei eure Augenmuskulatur stärken und das Gesichtsfeld erweitern. Dabei müsst ihr eure Augen langsam nach links und rechts bewegen, nach oben und unten, sowie diagonal nach rechts oben und links unten und auch umgekehrt. 

Euer Blick sollte dabei abwechselnd nach oben Richtung Augenbrauen und nach unten Richtung Nase führen. Diesen Blick-Richtungswechsel sollte man bis zu zehnmal machen und anschließend abwechselnd nach rechts und links blicken. Dann geradeaus blicken und die Augen schließen und entspannen. Auch solltet ihr bei langer Bildschirmarbeit akkommodieren, das heißt, eure Augen scharfstellen, um die Brechkraft der Augenlinse anzupassen. So könnt ihr Dinge in unterschiedlicher Entfernung fokussieren.Die Übung ist sehr einfach. Ein Auge mit der Hand abdecken, die andere Hand langsam vor den Augen hin und her bewegen, dem Blick folgen, und die Übung mit dem anderen Auge wiederholen.

Das Ziel aller Augenübungen ist immer ein entspannteres Sehen, um das „Office Eye Syndrom“ zu vermeiden. Nur denkt dran, Augentraining kann keineBrille und keinen Augenarzt ersetzen.

Achtung: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Augenärzte. Die Beiträge des medisana-Blogs können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.