Bitterstoffe

23. August 2021

Warum tun sie unserem Körper so gut?

Warum tun sie unserem Körper so gut?

Bitter ist gesund, wirklich? Die meisten Leute denken bei bitter zunächst an Medizin. Gesund sind Bitterstoffe aber allemal. Wenn man sich die Nahrungsmittel anschaut, in denen natürliche Bitterstoffe enthalten sind, kann man das bestätigen. Gesunde Bitterstoffe befinden sich im Endiviensalat, Rucola, Radicchio und Chicorée. Auch im heimischen Gemüse, wie den Kohlsorten Rosenkohl, Grünkohl, Spinat, Brokkoli, der Artischocke und auch im Mangold gibt es wertwolle Bitterstoffe. 

Bitterstoffe befinden sich in Brennnesseln, Sanddorn, Beifuß, Engelwurz (Angelikawurzel), Gelbem Enzian, Hopfen, Schafgarbe, Tausendgüldenkraut, Wermut und Zitwer, im Endiviensalat, Fenchel, Rucola, Radicchio, Löwenzahn, Giersch und Hülsenfrüchten sowie in den Gewürzen Thymian, Estragon, Kurkuma, Basilikum, Rosmarin, Zimt und in Senfkörnern. 

Auch Auberginen, Artischocken, Oliven und der Ingwer enthalten viele Bitterstoffe. Selbst in Getränken wie im Grapefruitsaft, grünem Tee, Kaffee und Salbeitee befinden sich Bitterstoffe, sowie in Schokolade mit möglichst hohem Kakaoanteil. In Artischocken steckt beispielsweise der Bitterstoff Cynarin, im Rüböl ist Glucosinolate enthalten und der Eisbergsalat wird durch Lactucin bitter.

Man kann fast sagen, wir können den Bitterstoffen nicht aus dem Weg gehen, und das ist auch gut so. Bitterstoffe kommen natürlicherweise in fast allen Pflanzen vor. Für einige Pflanzen, wie Bittermandeln oder Bitterorangen sind sie sogar namensgebend. Oft wirken sie für die Pflanze als Schutz gegen Fressfeinde, für die der Geschmack ungenießbar ist.

Wirkweisen der Bitterstoffe

Was machen nun die Bitterstoffe? Als Erstes fördern sie vor allem eine gesunde Darmtätigkeit. Zweitens fördern sie die Durchblutung und Verdauung, stärken das Immunsystem, fördern den Speichelfluss und regen den Fettstoffwechsel in der Leber und Galle an. Sie regen die Produktion von Magensaft, Gallenflüssigkeit und Bauchspeicheldrüsensekret an, um die Nahrung in verwertbare Bestandteile aufzuspalten. Wer also seiner Leber und Galle etwas Gutes tun will, sollte mehrmals pro Woche Bitterstoffe zu sich nehmen. Zudem stärken Bitterstoffe die Abwehrkräfte und können dazu beitragen, Fieber zu senken.

Den Ansatz, dass Hülsenfrüchte das Wachstum von Krebszellen behindern können, halten wir für besonders bemerkenswert. Zu den Hülsenfrüchten gehören Linsen, Kichererbsen, Erbsen und Bohnen, Sojabohnen, Lupinen und Erdnüsse.

Unseren Geschmacksnerven wurde bitter abgewöhnt

Nur da gibt es ein kleines Problem, denn die Bitterstoffe wurden weitestgehend aus den heutigen Lebensmitteln herausgezüchtet. Dazu kommt noch: Statt den Kaffee schwarz zu trinken, kippen wir Milch und Zucker rein. Damit der Spargel nicht bitter schmeckt, geben wir Zucker ins Spargelwasser, und anstatt der dunklen Schokolade bevorzugen die meisten die Vollmilchschokolade. Salate wie Chicorée, Endivien und Rucola, die einmal bitter schmeckten, sind heute kaum noch herb. Auch die guten Kräuter, die Bitterstoffe enthalten, landen immer weniger auf unseren Tisch, nur noch im Bier oder Kaffee wird noch ein bitteres Aroma toleriert. Nur in Wildpflanzen oder älteren Gemüse-Sorten ist oft noch ein hoher Gehalt an Bitterstoffen vorhanden. 

Wir haben die Bitterstoffe bitter nötig

Doch dabei haben wir die Bitterstoffe bitter nötig. Schon in den Rezepten von Autoren wie Hippokrates, Hildegard von Bingen oder Leonhart Fuchs wurden heimische Bitterkräuter gegen verschiedene innere Leiden empfohlen. Es ist also an der Zeit, die Bitterstoffe wieder in euren Speiseplan aufzunehmen. Nur durch das Zusammenspiel von allen Geschmacksstoffen gibt es eine ausgewogene Ernährung. Kommt die Zunge in Kontakt mit Bitterstoffen, wird umgehend ein Signal an alle Verdauungsorgane geleitet. Mit der Folge, dass Magen, Galle, Leber und die Bauchspeicheldrüse anfangen zu arbeiten und vermehrt Säfte produzieren, die die Verdauung fördern.

Durch die Bitterstoffe werden die Schleimhäute im Darm und anderen Verdauungsorganen gereinigt, so werden schädliche Parasiten und Bakterien abgetötet. Das hilft bei Sodbrennen, Blähungen und Reizdarmbeschwerden. Alle Lebensmittel mit Bitterstoffen sorgen für einen ausgeglichenen Säuren-Basen-Haushalt, sie regulieren nebenbei den Blutzucker, entgiften den Körper und die Leber, und können dadurch Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes, Gicht, Rheuma und Allergien vorbeugend entgegenwirken. Auch für eure Gallenblase sind die Bitterstoffe sehr wichtig, da sie Gallensteinen vorbeugen und die Gallenflüssigkeit anregen und damit auch die Fettverdauung. Sogar die Gehirnleistung soll durch Bitterstoffe gesteigert werden, so werden wir vitaler und weniger stressanfällig.

Bitterstoffe zählen nicht zu unseren Favoriten

Auch wenn Bitterstoffe besonders gesund sind, zu unseren Favoriten gehören sie nicht, denn der Mensch bevorzugt nun einmal süßes, und das weiß die Lebensmittel-Industrie allzu gut. Deshalb werden die Fertiggerichte allesamt mit Zucker aufgepeppt. Zucker kann sich sogar in herzhaften Lebensmitteln, die gar nicht süß schmecken, versteckenSo gibt es Ketchup, der 20 Prozent Zucker enthält, Rotkohlgläser mit elf Prozent Zucker oder Tütensuppen mit 13 Prozent. Auch in der Babynahrung, im Müsli, im Fruchtjoghurt, in Smoothies usw. befinden sich Unmengen an Zucker. Der Zucker wird beigemischt, weil er als billiges Bindemittel oder als Geschmacksträger dient. Darauf sollten wir nicht mehr hereinfallen.

Bitterstoffe als Appetithemmer?

Bitterstoffe helfen euch auf dem Weg zum Wunschgewicht. Bitterstoffe können indirekt sogar beim Abnehmen helfen, indem sie den Heißhunger auf Süßes reduzieren. Bitterstoffe haben eine hohe Diät-Konformität und sind natürliche Appetitzügler. Laut einer Studie sind Menschen mit sensiblem Bitterempfinden um etwa 20 Prozent dünner als die, die nur ein schwaches Gespür dafür haben. Denn das bittere Aroma gilt als wahrer Schlankmacher, wenn man nur genug davon zu sich nimmt.

Da Bitterstoffe die Produktion von Verdauungssäften ankurbeln, wird das Hungergefühl schnell unterdrückt,dadurch sind wir früher satt, und essen deutlich weniger. Wenn wir häufig Bitterstoffe zu uns nehmen, können wir uns langsam von Zucker entwöhnen, mit der Folge, dass wir seltener zu kalorienhaltigen Süßem greifen. Da Bitterstoffe die Verdauung fördern und Nährstoffe dadurch in Energie umgewandelt werden, setzt sich deutlich weniger Fett an Bauch und Hüfte an. In der Regel sind Nahrungsmittel mit Bitterstoffen auch kalorienärmer als süße Lebensmittel. Kalorien, die wir nicht zu uns nehmen, müssen wir auch nicht wieder abbauen. Wir kennen das alle, salzige und süße Lebensmittel machen Lust auf mehr, Bitterstoffe dagegen bestimmt nicht.

Doch Vorsicht: Bitterstoffe sollten nicht bei Magengeschwüren, Zwölffingerdarmgeschwüren, Gallensteinen und einem übersäuerten Magen eingenommen werden, da sie die Magensäurebildung anregen, wodurch sich die Symptome verschlimmern könnten. Schwangere oder stillende Frauen sollten die Finger von alkoholischen Bittertropfen lassen.

Unser Fazit: Ihr könnt euer Leben mit Bitter versüßen.

Bleibt gesund!