Corona schadet nicht nur der Gesundheit

27. August 2020

Auch unsere Wirtschaft leidet

Bisher haben wir uns in der Corona-Berichterstattung ausschließlich mit den Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung beschäftigt. Doch das allein ist zu kurz gedacht, denn auch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise können unsere Gesundheit schädigen. Die Wirksamkeit der Pandemiebekämpfung hängt von unser aller Verhalten in den nächsten Monaten ab.

Einen zweiten Lockdown – nochmal Restaurants, Bars, Kitas, Schulen, Universitäten und Geschäfte schließen -, können wir nicht verkraften, ebenso wenig wie ein erneutes Aufschieben tausender dringender Operationen.

Nicht zu vergessen, dass viele Menschen ohnehin im Herbst und Winter an Depressionen leiden, was sich durch ein neuerliches Herunterfahren des öffentlichen Lebens noch verstärken würde. Und niemand will, dass wir unsere älteren Mitbürger noch einmal in Isolations-Haft verbannen. Alles, was nur annähernd einem zweiten Lockdown nahekommt, wäre für uns alle ein Schreckensszenario. Aber betrachten wir erst einmal die Fakten.

Die Corona-Lage bleibt für uns alle ernst

Die Lufthansa will weltweit bedingt durch die Corona-Krise 22.000 Stellen abbauen, davon tausende in Deutschland. Bei BMW werden 6.000 Stellen gestrichen. Insgesamt will die deutsche Autoindustrie noch in diesem Jahr 50.000 Stellen streichen. Wer weiß, was uns im nächsten Jahr noch bevorsteht.

Wie viele Stellen bei den Zulieferern wegfallen, kann man sich leicht ausmalen. Allein bei den Elektronikketten Media Markt und Saturn 4.000. Die Liste ließe sich unendlich fortschreiben. 50.000 Geschäften und Läden in den deutschen Innenstädten droht die Schließung.

Forscher rechnen für den Herbst mit tausenden Pleiten, meldete am 8. August der „Spiegel“. Dabei darf nicht vergessen werden, dass hinter all diesen Zahlen Menschen stehen, die sich große Sorgen machen, wenn der Herbst kommt. Es droht eine Pleiten- und Entlassungswelle unbekannten Ausmaßes.

Mit dem Anstieg der Zahl der täglichen Corona-Neuinfektionen in Deutschland wächst unter führenden Ökonomen im Land die Sorge: „Eine zweite Welle könnte wirtschaftlich schädlicher sein als die erste Welle. Denn viele Unternehmen sind angeschlagen, haben hohe Schulden und kaum mehr Rücklagen“, sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, der „Rheinischen Post“.

Daher sei es unser aller Aufgabe, eine zweite Infektionswelle so gering wie möglich zu haltenund den wirtschaftlichen Schaden zu begrenzen. „Nur wenn sich die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung verantwortlich verhält, kann es gelingen, die Restriktionen zeitlich zu begrenzen und den Schaden zu minimieren“, erklärte Fratzscher.

Auch der Präsident des Handelsverbands Deutschland (HDE), Josef Sanktjohanser, sagte: „Lassen Sie uns das Erreichte nicht kaputt machen.“ Er appelliert an die Kunden, die Corona-Regeln wie Abstand und Maskenpflicht disziplinierter einzuhalten.

Prof. Martin Exner, Direktor des Instituts für Hygiene und öffentliche Gesundheit der Universität Bonn, meint, „Mund-Nasen-Schutz, die Abstandsregeln und die Händehygiene sind im Effekt genauso wirksam wie eine Impfung. Von daher gibt es keine Alternative zu diesen Maßnahmen.“

Viele verwirrende Aussagen

Das Robert Koch-Institut äußerte sich Anfang August zu den bedenklich steigenden Neuinfektionen: „Das kann der Beginn einer zweiten Welle sein“.

Dr. Gerd Antes, Honorarprofessor der Medizinischen Fakultät an der Universität Freiburg, erklärte hingegen im SPIEGEL: „Der Begriff vermittelt ein völlig falsches Bild.“ Eine zweite Welle suggeriere einen völlig neuen Vorgang, doch genau das sei falsch. „Das Virus ist ja nicht verschwunden, die Infektionsketten schwelen weiter.“ Der Virologe Hendrik Streeck sagte der „FAZ“: „Wir müssen realisieren, dass das Virus hier ist und nicht mehr weggehen wird, dass wir es gewissermaßen mit einer Dauerwelle zu tun haben”.

Während für viele führende Politiker wie Sachsens Ministerpräsident Kretschmer, CSU-Chef Söder oder den allgegenwärtigen SPD-Gesundheitsexperten Lauterbach die zweite Welle längst da ist, will Thüringens Ministerpräsident Ramelow die zweite Welle „nicht herbeireden“, schreibt Nikolaus Blome in seiner Kolumne auf Spiegel online.

Wie soll es in den Kitas und Schulen weitergehen

Schulbetrieb unter Pandemiebedingungen, geht das? Viele Politiker und Bildungsexperten halten eine Maskenpflicht auch im Schulunterricht notfalls für geboten, wie sie NRW bereits eingeführt hat. Kinderärzte jedoch warnen davor und die Bundesschülerkonferenz spricht von einer „Zumutung“.

Für Flure, Treppenhäuser und Gemeinschaftsräume haben die meisten Länder das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes schon verpflichtend gemacht, aber im Unterricht? Bisher hat nur Nordrhein-Westfalen an weiterführenden Schulen die Maskenpflicht im Unterricht angeordnet. Doch andere Bundesländer wollen nachziehen, wenn die Infektionszahlen wieder steigen. Sicher ist, dass es dazu noch heftige Auseinandersetzungen geben wird.

Die Elternschaft ist inzwischen völlig verunsichert

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte sieht hingegen gravierende Probleme: „Das Tragen einer Mund-Nasen-Maske im Unterricht ist nicht sinnvoll. Ein längeres Maskentragen beeinträchtigt bei Schülern die Leistungsfähigkeit“, sagte Thomas Fischbach, der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, der Funke-Mediengruppe. Hinzu komme, dass die Kommunikation gestört sei, wenn es zwischen Schülern und Lehrern keinen richtigen Blickkontakt gebe.

Der Ärzteverband Marburger Bund kritisiert die Corona-Schulstrategie in NRW: Masken im Unterricht machen „überhaupt keinen Sinn“.

Hinzu kommt: Schon bei Corona-Verdacht sollten die Kinder innerhalb der Familie „isoliert“ werden. Bei Nichtbefolgung drohte das Amt sogar damit, die unter 11-Jährigen aus der Familie zu nehmen. Diese Anordnungen sorgen nun nachträglich für Aufregung.

Diane Siegloch, Mitgründerin der bundesweiten Initiative „Familien in der Krise“, bezeichnete das Vorgehen gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd) sogar als „eine seelische Grausamkeit“ und „akute Kindeswohlgefährdung“.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) fordert nun, dass es für Risiko-Reiser eine Testpflicht gibt – zumindest, wenn sie keinen negativen Befund vorlegen können, der nicht älter als 48 Stunden ist. Hausärzteverbands-Chef Weigeldt kritisiert in der „WELT“ Spahns Testpflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten als aktionistisch und spricht von einer „Ohrfeige“ für seine Kollegen. Der Politik wirft er vor, zur Verunsicherung der Bevölkerung beizutragen.

Bleibt weiter achtsam und gesund!