Der Wald

Ein Ort der Entschleunigung

Weltweit sind Wälder die Lebensgrundlage von 1,6 Milliarden Menschen. Außerdem schützen sie den Boden, indem die Baumwurzeln verhindern, dass Wind und Wasser ihn forttragen. Wälder speichern und reinigen versickerndes Regenwasser, aus dem wir unser Trinkwasser gewinnen. Wenn der Wald verschwindet, dann verschwinden auch Insektenarten, Vogelarten, Pflanzenarten, die Tiere und am Ende der Mensch.

Ohne die Bäume könnten auch die Menschen nicht überleben. Aus Sonne, Wasser und dem Kohlendioxid der Luft erschaffen die Bäume den Sauerstoff, ohne den die Menschheit nicht existieren könnte. Wälder filtern auch Staub und Schadstoffe aus der Luft, schützen den Boden vor Erosion und wirken ausgleichend auf das KlimaAn heißen Sommertagen bringen sie Abkühlung und nehmen dauerhaft Kohlendioxid auf. Genau wie unsere Ozeane gelten Bäume deshalb als CO₂-Senker. Der Wald schafft die Grundlage für alles Leben auf dieser Erde. Es gibt für uns also sehr viele Gründe, den Wald zu schützen.

Wo steht der meiste Wald in Europa

Russland besitzt die größten Waldflächen unter allen Staaten. 2020 waren laut der Weltbank 8,15 Millionen Quadratkilometer oder exakt 50 Prozent des flächenmäßig größten Landes der Welt von Wald bedeckt. Im nördlichen Uralgebirge erstreckt sich die russische Republik Komi mit ihren endlosen Urwäldern. Die Waldlandschaft ist das größte Urwaldgebiet Europas. Seit 1995 gehört die 32.800 km² große Fläche zum UNESCO-Weltnaturerbe.

Die größten Waldflächen in Europa lagen 2005 in Schweden (31 Mio. ha oder 75 % der Landfläche), Spanien (28 Mio. ha oder 57 %), und Finnland (23 Mio. ha oder 77 %). Auch Deutschland zählt mit 11,4 Millionen Hektar Wald zu den waldreichsten Ländern Europas. 90 Milliarden Bäume wachsen ungefähr in den deutschen Wäldern, 77 Baumarten sind in Deutschland heimisch. Am häufigsten sind Fichten, Kiefern, Buchen und Eichen.

 

Wissenswertes über Bäume

116 Meter hoch ist der höchste Baum der Erde. Der Küstenmammutbaum „Hyperion“ steht im kalifornischen Redwood Nationalpark. Der älteste Baum Deutschlands ist 1.200 Jahre alt. Das bedeutet, dass der Baum circa im achten Jahrhundert gekeimt sein muss. Die knorrige Sommerlinde namens Methusalinde steht in der hessischen Gemeinde Schenklengsfeld.

Der älteste Baum der Welt ist sogar ganze 9.550 Jahre alt. Die alte, nur fünf Meter hohe Fichte wächst in der schwedischen Provinz Dalarna im Nationalpark Fulufjället. Der Baum siedelte sich vor fast zehntausend Jahren dort an und pflanzte sich durch Ableger in einem genetisch identischen Klon immer weiter fort. Das Alter der Fichte ist mithilfe sogenannter Radiokohlenstoffdatierung des Wurzelsystems bestimmt worden.

58 Meter Stammesumfang hat der dickste Baum der Welt. Es handelt sich um eine mexikanische Sumpfzypresse in Santa Maria del Tule in Mexiko. 1 Milliarde Hektar Wald gibt es derzeit in Europa. Vier Fünftel davon liegen in Russland.

Rund 4.300 Pflanzen und Pilzarten und mehr als 6.700 Tierarten leben in unseren mitteleuropäischen Buchenwäldern. Für zahllose Tier-, Pflanzen- und Pilzarten ist der Wald der Lebensraum, der ihnen Nahrung, Wohnung und Schutz bietet. Zudem wachsen im Wald heilsame Kräuter und Sträucher, die schon seit Jahrhunderten als Medizin für den Menschen dienen.

Der Wald – Lebensraum der Tiere

Der Wald ist der Lebensraum für zahlreiche Tiere wie Füchse, Hasen, Igel, Rehe, Hirsche, Dachse, Marder, Mäuse, Wildschweine, Fledermäuse und Eichhörnchen. Aber auch für Frösche, Kröten, Unken, Molche, Salamander und vieler Vogelarten wie Eulen, Buntspechte, Eichelhäher, Ringeltauben und den Auerhahn ist der Wald einer der wichtigsten Lebensräume.

Sogar ausgerottete Säugetiere, wie der Luchs, der Wolf oder sogar der Braunbär, sind wieder in manche Wälder eingewandert. Einige Tierarten, die in den heimischen Wäldern leben, sind sogenannte Neozoen. Diese sogenannten nicht-heimischen Arten wurden vom Menschen nach Deutschland und Europa gebracht und haben sich hier angesiedelt. Zu den Neozoen gehören Waschbären, Marderhunde, Nerze und Damhirsche.

Nirgendwo sonst in Europa ist die Artenvielfalt so groß wie im Wald. Über 6.000 verschiedene Säugetiere, Insekten, Reptilien, Vögel und andere Tiere leben in den deutschen Wäldern und alle von ihnen haben eine eigene Aufgabe im Ökosystem.

Mit seinen Pflanzen und Pilzarten ist der Wald auch Klimaschützer und Erholungsort zugleich. Er schenkt den Menschen Kraft, Ruhe, Luft und Leben.

Kraftort Wald

Sobald wir einen Wald betreten, schlägt unser Herz ruhiger, der Blutdruck sinkt, im Körper zirkulieren weniger Stresshormone. Blätter entfalten ihre Heilkraft allein schon, wenn wir sie ansehen: Das Grün wirkt offenbar beruhigend auf Körper und Psyche. Der Wald ist ein Ort der Ruhe und ein Rückzugsort zum Nachdenken. Der Wald hilft uns zu entschleunigen. Aber er stärkt auch unser Immunsystem, und kann uns vor ernsthaften chronischen Krankheiten schützen. Tatsache ist, der Wald macht uns glücklich und zufrieden. Die frische, staubarme Luft, die Ruhe oder die ätherischen Düfte der Pflanzen wirken beruhigend.

Das Rauschen der Blätter, die Duftstoffe der Bäume, Vogelgesang und Bachgeplätscher heilen den Menschen und stärken seine Gesundheit. Japanische Wissenschaftler aus Immunologie, Kardiologie, Neurobiologie und anderen Fakultäten haben die gesundheitsfördernde Wirkung des Waldes in einer Reihe von Studien belegt.

Die Studien zeigen zum Beispiel: 15 Minuten Spazierengehen im Wald oder Park reduziert das Stressempfinden, senkt den Blutdruck, und die Herzfrequenz, hilft Muskelverspannungen zu lösen und fördert den Schlaf. Am stärksten wirkt sich der Wald auf die Psyche aus. Der Wald fördert die Harmonisierung des zentralen Nervensystems, welches alle lebensnotwendigen Körperfunktionen steuert. Regelmäßige Spaziergänge im Wald verringern die Stressanfälligkeit. Das liegt daran, dass der Körper vermehrt, die Stimmungshormone Serotonin und Dopamin ausschüttet und das Stresshormon Cortisol reduziert wird. Ein ForscherInnen-Team der MedUni Wien hat im Rahmen der Green Public Health-Forschung in Kooperation mit der Universität für Bodenkultur Wien die bestehenden wissenschaftlichen Erkenntnisse zur gesundheitsfördernden Wirkung des Waldes zusammengefasst.

 

Heilende Kraft des Waldes

 

Dass „Waldbaden“ (Shinrin-Yoku) ein internationaler Gesundheitstrend ist und in Japan bereits seit langem als eine anerkannte Therapieform gilt, hatten wir bereits in unserem Blogartikel, „Wie gesund ist Shinrin-Yoku (dt. „Waldbaden“)“ berichtet.

Unter Waldbaden versteht man das bewusste Spazieren oder Wandern durch einen Wald oder die Natur. In Japan, wie auch in Südkorea, gibt es mittlerweile regelrechte Heilwälder. Ärzte verschreiben ihren Patienten sogar einen mehrtägigen Aufenthalt im Wald. Forscher um den japanischen Professor Qing Li vermuten, dass Botenstoffe der Bäume, sogenannte Terpene, für die positiven Auswirkungen auf die körperliche und mentale Gesundheit verantwortlich sind. Waldbaden stärkt das Immunsystem und führt zu mehr körpereigenen Killerzellen.

Der Wald ist in Gefahr

Die Wälder der Welt spielen im Klimasystem sowohl global als auch lokal eine große Rolle: Die Häufung und Verschärfung von Witterungsextrema wie Hitze, Trockenheit und Stürmen bedeuten eine große Gefahr für den Wald. Dadurch werden die Bäume geschwächt, und Schädlingsbefall z. B. durch Insekten ist die Folge.

Wenn sich klimatische Faktoren wie z. B. die Temperaturen und Niederschläge im Zuge des Klimawandels verändern, werden sich auch die Artenzusammensetzungen der Wälder und das Wachstumsverhalten der Bäume verändern.

Durch die direkten und indirekten Auswirkungen des Klimawandels können ökologische Gleichgewichte in Schieflage geraten. Ein langfristiger Effekt ist beispielsweise, dass die Anpassung von Baumarten an ihre Standorte abnimmt, da sie aufgrund ihrer langen Generationszeiten mit schnellen Umweltveränderungen nicht schritthalten können. Pilze, Bakterien oder Insekten hingegen haben wesentlich kürzere Generationszeiten und passen sich schnell an, schreibt das Julius-Kühn-Institut in einem Gastbeitrag für die Bundesregierung.

Insgesamt gehen die Experten davon aus, dass sich die Durchschnittstemperaturen erhöhen und Extremwetterereignisse zunehmen werden. Für Mitteleuropa wird verstärkte Trockenheit in der Vegetationsperiode prognostiziert. Fast fünf Prozent der gesamten Waldfläche (rund 501.000 Hektar) Deutschlands sind von Januar 2018 bis April 2021 zerstört worden. Das teilte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) am 22. Februar 2022 mit. Auch haben sich die Bestände vieler Tierarten seit 1970 mehr als halbiert. Monokulturen und sogenannte Wirtschaftswälder bringen das ökologische Gleichgewicht in vielen deutschen Wäldern in

Der Wald lehrt den Menschen Geduld, Gelassenheit und Demut vor der Schöpfung. Gefahr.

Zum Schluss haben wir noch eine Liebeserklärung an den Baum:

Mein Freund der Baum, Songtext von Alexandra (1968)

Ich wollt dich längst schon wiedersehn,
Mein alter Freund aus Kindertagen,
Ich hatte manches dir zu sagen,
Und wusste, du wirst mich verstehen.
Als kleines Mädchen kam ich schon
Zu dir mit all den Kindersorgen.
Ich fühlte mich bei dir geborgen,
Und aller Kummer flog davon.
Hab ich in deinem Arm geweint,
Strichst du mit deinen grünen Blättern
Mir übers Haar, mein alter Freund.

Mein Freund der Baum ist tot,
Er fiel im frühen Morgenrot.

Du fielst heut früh, ich kam zu spät,
Du wirst dich nie im Wind mehr wiegen,
Du musst gefällt am Wege liegen,
Und mancher, der vorüber geht,
Der achtet nicht den Rest von Leben
Und reißt an Deinen grünen Zweigen,
Die sterbend sich zur Erde neigen.
Wer wird mir nun die Ruhe geben,
Die ich in Deinem Schatten fand?
Mein bester Freund ist mir verloren,
Der mit der Kindheit mich verband.

Mein Freund der Baum ist tot …

Bald wächst ein Haus aus Glas und Stein,
Dort wo man ihn hat abgeschlagen,
Bald werden graue Mauern ragen,
Dort wo er liegt im Sonnenschein.
Vielleicht wird es ein Wunder geben,
Ich werde heimlich darauf warten,
Vielleicht blüht vor dem Haus ein Garten,
Und er erwacht zu neuem Leben.
Doch ist er dann noch schwach und klein,
Und wenn auch viele Jahre gehen,
Er wird niemehr derselbe sein.

Mein Freund der Baum …

 

Wir wünschen euch schöne Spaziergänge durch die Wälder.

 

 

 

Quellen:

Dritte Bundeswaldinventur 2012 (BWI)

Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, sdw.de

Baumpflegeportal

NABU: Zahlen und Fakten … zum Wald in Deutschland

Westdeutsche Zeitung (13.08.2019): Zahl der Tiere in den Wäldern über Jahrzehnte dramatisch gefallen

Bundesregierung.de

ndr.de

Universität für Bodenkultur Wien boku.ac.at

 

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