Digitalisierung der Medizin

18. Dezember 2020

Stunde der Medizin-Pioniere

Schlägt jetzt die Stunde der Medizin-Pioniere?

Der Zukunftsforscher Horst Opaschowski beobachtet beim Thema Gesundheit in seinen Repräsentativbefragungen eine regelrechte Werteexplosion. 94 Prozent der Deutschen schätzen Gesundheit mittlerweile als das höchste Gut im Leben ein. Vor der Corona-Krise waren es nur 73 Prozent.

Neun von zehn Deutschen achten jetzt darauf, gesund und fit zu bleiben. Gesundheit lässt sich immerhin etwa zur Hälfte durch den Lebensstil beeinflussen. Die Konzentration auf die Gesundheit löst damit die bisher dominante Ausrichtung auf den Konsum ab.

Ein großer Teil der Bevölkerung hat plötzlich begonnen, über sich und den eigenen Lebensstil nachzudenken: Die Menschen wollen bewusster und bescheidener leben, mit Maß konsumieren und sich mehr um ihre Gesundheit kümmern. Für eine große Mehrheit ist Zeit plötzlich genauso wertvoll wie Geld. Das hat es so noch nicht gegeben, meinte er in einem Gespräch mit Claudia Ehrenstein, Politikredakteurin von „Welt-Online“.

E-Health in Deutschland

Nun ist es aber so, dass viele Menschen aus Angst vor Corona wichtige Arzttermine nicht wahrnehmen oder verschieben. Hier schlägt die Stunde der Digitalen Medizin. Etliche Trendforscher haben schon lange den Durchbruch der Telemedizin vorausgesagt, und jetzt ist er über Nacht da.

Was muss man nun unter Telemedizin verstehen, und was kann sie leisten? In kaum einer Branche herrscht derzeit eine solche Aufbruchstimmung wie bei E-Health. Es ist die Stunde der Pioniere, kann man vermehrt in den Medien lesen. Nun gut, dafür müssten allerdings erst einmal tausende Arztpraxen digital aufgerüstet werden, damit alle etwas davon haben.

Im Bundesgesundheitsministerium heißt es:„E-Health ist ein Oberbegriff für ein breites Spektrum von IKT-gestützten Anwendungen, in denen Informationen elektronisch verarbeitet, über sichere Datenverbindungen ausgetauscht und Behandlungs- und Betreuungsprozesse von Patientinnen und Patienten unterstützt werden können.“

Hersteller von Medizin-Produkten haben schon länger darauf reagiert. Mit der VitaDock+ App von medisana können alle Gesundheits- und Vitaldaten immer und überall im Blick behalten werden. Als Nutzer kann man jeden Wert mit Kommentaren ergänzen und sich zusätzlich Verläufe und Auswertungen darstellen lassen. So wird das persönliche Gesundheitsmanagement noch individueller. Dank der Kommentarfunktion wird die VitaDock+ App zum vollwertigen Gesundheits-Tagebuch.

Gesundheits-Apps

Gesundheits-Apps werden für zahlreiche Zwecke auch von den Krankenkassen angeboten, so etwa zur Unterstützung bei der Pflege von Angehörigen. Seit einiger Zeit gibt es schon zahlreiche Ernährungs-Apps, Fitness-Apps und medizinische Apps, also Programme, die ausschließlich bei Krankheiten, wie zum Beispiel Diabetes eingesetzt werden. Erst vor wenigen Wochen teilte die Verbraucherzentrale mit, dass seit Oktober 2020 medizinische Apps verfügbar seien, die in einem offiziellen Verfahren geprüft wurden und nun auf Rezept erhältlich sind.

Ärzte dürfen die sogenannten „DiGA“ (Digitale Gesundheitsanwendungen) sogar verschreiben, die Kosten werden von den Krankenkassen übernommen. Ärzte und Psychotherapeuten können die Apps aus dem DiGA-Verzeichnis auswählen. Gesundheits-Apps werden von den Krankenkassen, Pharmakonzernen und auch von IT-Firmen angeboten.

Service-orientierte Apps

Dabei muss man zwischen service-orientierteren Apps und medizinischen Apps unterscheiden. Erstere, also die service-orientierteren Apps, erinnern euch zum Beispiel an Früherkennungsuntersuchungen oder die pünktliche Einnahme von Medikamenten. Man kann mit ihnen auch seinen Impfstatus überwachen, den Arzttermin buchen oder verlegen, bei einer Erkrankung den Verlauf kontrollieren und seine Gesundheitsdaten verwalten.

Medizinische Apps

Die medizinischen Apps erfüllen andere Aufgaben und müssen als Medizinprodukt zugelassen werden. Dazu benötigen sie eine CE-Kennzeichnung. In den Verkehr gebracht werden dürfen Medizinprodukte nur, wenn sie die grundlegenden Anforderungen erfüllen und das vorgeschriebene Konformitätsbewertungsverfahren durchgeführt wurde, teilt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn mit.

Die Apps sind zum Beispiel in der Lage, bei Krankheiten wichtige Werte festzuhalten. Die gerade gestartete App „Tinnitracks“ hilft Menschen mit Tinnitus, das nervtötende Piepen im Ohr auszublenden.

Es gibt auch Apps für bestimmte Angststörungen, Apps gegen Rückenschmerzen, Apps als Hilfe gegen Depressionen und unterstützende Apps bei Migräne. Medizin-Apps können Diabetikern bei der Überwachung ihres Blutzuckers helfen, Herzkranke können mit Hilfe der App ihren Gesundheitszustand überwachen.

270.000 Menschen erleiden pro Jahr einen Schlaganfall, und damit ist der Schlaganfall die zweithäufigste Todesursache hierzulande. Mit einer App kann man Herz- und Kreislauf-Probleme, so zum Beispiel unentdeckte Herzrhythmusstörungen, durch ein Monitoring erkennen.

In Frage kommen Medizin-Apps bei Krankheiten, Verletzungen oder Behinderungen, sie sollen verhüten, erkennen oder lindern. Wichtig ist: Es gibt keine einheitlichen Qualitätskriterien für GesundheitsApps. Daher sollte man bei der Auswahl einer App vorher mit seinem Arzt sprechen, denn Medizin-Apps ersetzen nicht den Arzt, sondern optimieren nur die Behandlung.

Auf der Informations- und Bewertungsplattform HealthOn sind mehr als 1.000 Gesundheits-und Medizin-Apps für Verbraucher und Patienten gelistet. Die Fülle an Gesundheits-Apps ist für den einzelnen Verbrauer kaum noch überschaubar.

Gesundheits-Apps, Medizin-Apps oder Notfall-Apps

Nach einer Studie der Universität Freiburg und der Bewertungsplattform HealthOn gibt es mehr als 100.000 Apps, die sich mit Gesundheits- oder Medizinthemen befassen. Man kann schon fast von einem App-Dschungel sprechen. Laut der Verbraucherzentrale sind einige Gesundheits-Apps „bezüglich des Datenschutzes sehr kritisch zu bewerten.“

Das Bundesgesundheitsministerium empfiehlt, vor dem Download einer Gesundheits-App darauf zu achten, dass die Anwendung aktuell ist, von qualifizierten Personen oder Unternehmen entwickelt wurde und dass eine vollständige Datenschutzerklärung vorhanden ist.

Vorbildlich ist die App der Techniker Krankenkasse, die einen persönlichen Kontakt zu einem Ärztezentrum herstellt. Bei akuten Symptomen oder für allgemeine Gesundheitstipps kann per Text-Chat, Video-Chat, Mail oder Telefon mit einem Arzt gesprochen werden. Sogar Fotos und Dokumente – wie Röntgenbilder – lassen sich mit der App übermitteln. Auch Fragen zu Arzneimitteln und häufigen Erkrankungen werden beantwortet.

Jetzt stellt sich nur noch die Frage: Wie hoch ist die Akzeptanz der E-Health-Anwendungen in der Bevölkerung? Das beantwortet das Ärzteblatt wie folgt:

„Bezüglich der Einstellungen zu E-Health Anwendungen zeigt eine aktuelle Online-Bevölkerungsbefragung mit dem Titel „Digitalisierung im Gesundheitswesen“ an 1.000 Personen, dass offene und partizipative Kommunikationsnetzwerke zu Gesundheitsfragen von den Nutzenden als vorteilhaft wahrgenommen werden.

Fast drei Viertel der befragten Deutschen dieser Studie wünschen sich einen Ausbau der Patientenberatung im Internet. Der persönliche Ärztekontakt wird bei schweren Erkrankungen aber weiterhin als unerlässlich eingeschätzt.

Eine andere repräsentative Studie kam zu dem Ergebnis, dass immer mehr Patienten digitale Gesundheitstools bereits nutzen. Auch in dieser Erhebung zeigte sich die zunehmende Erwartung der Patienten, dass digitale Tools ein Kernbestandteil der Gesundheitsversorgung werden.

Auch die Einstellung der Patienten zu Robotik und künstlicher Intelligenz in der Medizin ist positiv. So zeigte eine Erhebung an 2.050 Personen in Deutschland, dass zwei Drittel der Befragten glauben, Robotik und künstliche Intelligenz würden die medizinische Versorgung insgesamt verbessern.“

Fazit: Für die Gesundheitsversorgung ist das Vorantreiben der Digitalisierung die zentrale Voraussetzung. Die Krankenkasse kann die Kosten übernehmen, wenn die App vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) als Gesundheits-App zugelassen wurde.

Dabei sollte man darauf achten, ob die Apps auf Datensicherheit, Datenschutz und Funktionalität geprüft worden sind. Die Liste ist seit Anfang Oktober über https://diga.bfarm.de/de abrufbar. Euer behandelnder Arzt kann eine zugelassene Gesundheits- oder Medizin-App verordnen, aber es muss eine Voraussetzung für eine begründete Diagnose vorliegen. Immer mehr ältere und chronisch kranke Menschen werden auf diese Apps angewiesen sein.

Bleibt gesund!