Elektromobilität

Ist sie tatsächlich die Zukunft?

 

 

Das EU-Parlament hat Mitte des Jahres ein Verkaufsverbot für Autos mit Benzin- und Dieselantrieb ab 2035 beschlossen, um die CO2-Emissionen in Europa zu senken. Dabei geht es auch um unsere Gesundheit: Kraftfahrzeuge sind wichtige, vom Menschen verursachte Feinstaubquellen. In Ballungsgebieten ist vor allem der Straßenverkehr eine bedeutende Feinstaubquelle. Der Straßenverkehr ist für 57 % des Feinstaubes verantwortlich.

Wie die EU-Umweltagentur EEA mitteilte, starben im Jahr 2019 schätzungsweise 307.000 Menschen in der Europäischen Union vorzeitig durch die Belastung ihrer Umgebungsluft mit Feinstaub, darunter Zehntausende in Deutschland.

Mehr als die Hälfte dieser vorzeitigen Sterbefälle in der EU – etwa 178.000 oder 58 Prozent – hätten laut EEA theoretisch verhindert werden können, hätten alle Mitgliedstaaten die neuen Richtwerte der Weltgesundheitsorganisation WHO eingehalten.

Dennoch fragen sich viele Verbraucher wie die EU den Umstieg in gerade einmal 13 Jahren bewerkstelligen will. Daher schauen wir einmal uns die aktuellen Zahlen an.

Zum 1. Januar 2022 erreichten Elektroautos in Deutschland einen Anteil von 1,3 Prozent. Das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg erfasste 618.460 reine Elektroautos“, hat die Zeitschrift “Auto Straßenverkehr“ analysiert.

Zum Stichtag 1. Januar 2022 lag der Bestand aller Fahrzeuge in Deutschland bei 67,7 Millionen Fahrzeugen und damit um 850.000 (+ 1,3 %) höher als noch vor einem Jahr. Der Fahrzeugbestand gliedert sich dabei in rund 59,6 Millionen Kraftfahrzeuge (Kfz) und knapp 8,1 Millionen Kfz-Anhänger.

Im Jahr 2030 – 354 Millionen PKWs in Europa

In ganz Europa waren 2022 etwa 337 Millionen PKWs zugelassen, und diese Zahl wird bis zum Jahr 2030 auf 354 Millionen steigen. Laut der neuesten Daten des Dachverbands der europäischen Fahrzeughersteller (ACEA) befinden sich zudem aktuell rund 6,2 Millionen mittelschwere und schwere Nutzfahrzeuge (KLWs) innerhalb Europas im Straßenverkehr.

Während 2017 nur 0,12 Prozent aller Personenkraftwagen Elektroautos (Batterie-Elektrofahrzeuge (BEV) und Plug-In-Hybrid (PHEV)) waren, betrug der Anteil in 2021 bereits über 1,2 Prozent. Der Anteil der reinen Batterie-Fahrzeuge (BEV) an der Gesamtanzahl der Autos lag bei 0,6 Prozent.

Nach Angaben von Statista betrug die Anzahl der Elektrofahrzeuge in Japan im Jahr 2021 rund 337.000 Stück. Den größten Bestand an Elektro-Pkw wies China auf, gefolgt von den USA und Deutschland. Insgesamt waren 2021 etwa 17,4 Millionen Elektroautos weltweit zugelassen.

Wenn wir uns diese Zahlen einmal genau vor Augen führen, kann man berechtigte Zweifel an den Plänen der EU äußern, wie man deren Ziele erreichen will. Mal angenommen, man würde in Deutschland 47 Millionen Elektroautos betreiben, wären dies ca. 15-20 Prozent des jährlichen Strombedarfs. Und viele stellen sich die Frage: Wo soll der ganze Strom herkommen? Das deutsche Stromnetz hat eine vorgehaltene Leistung von 68,5 Gigawatt. Nur zur Veranschaulichung: ein Gigawatt ist eine Milliarde Watt. Um 1 Million E-Autos gleichzeitig zu laden, benötigt man aber 350 Gigawatt, also 350 Milliarden Watt.

Jetzt kann sich ein jeder ausrechnen, wie viel Milliarden Watt wir benötigen würden, wenn alle Autos, also 354 Millionen PKWs, bis 2030 in Europa mit Elektrizität fahren würden.

Im Schnitt fährt ein Auto rund 13.800 Kilometer pro Jahr. Würde man die Energiemenge zugrunde legen, die ein durchschnittliches E-Auto heute unter realen Bedingungen braucht, wären das 105 Terawattstunden (TWh), rund 15 Prozent der heute produzierten Strommenge, nur in Deutschland.

Ein weiterer Knackpunkt sind die Ladestationen

Die Regierung in Deutschland hat in ihrem Koalitionsvertrag festgeschrieben, dass bis 2030 eine Million öffentliche Ladepunkte zur Verfügung stehen sollen.

Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Es gehe viel zu langsam voran, sagt Andreas Rade vom Verband der Automobilindustrie: „Wird das aktuelle Ausbautempo nicht gesteigert, gibt es in Deutschland im Jahr 2030 gerade einmal rund 210.000 Ladepunkte“, so Rade – und damit knapp 800.000 zu wenig.

Derzeit hat Deutschland die sechstgrößte Ladedichte für Elektrofahrzeuge in Europa, wie eine neue Studie von Uswitch.com aufzeigt. Angesichts neuer Forschungsergebnisse, die darauf hindeuten, dass die Kraftstoffkosten in Europa extrem steigen werden, überrascht es nicht, dass 70 % der europäischen Autofahrer ein Elektrofahrzeug als ihr nächstes Auto in Betracht ziehen würden. Dazu analysierte die Studie die Bevölkerungszahl der Städte zusammen mit dem Volumen der Ladestationen für Elektrofahrzeuge pro km² und pro 100.000 Einwohner.

Mit 1,27 Ladepunkten pro km² kann festgestellt werden, dass Berlin die sechstgrößte Ladedichte für Elektrofahrzeuge in Europa hat. Die Hauptstadt verfügt über 1.134 Ladestationen für Elektrofahrzeuge, mehr als dreißig Mal so viel wie zum Beispiel Bern, das mit nur 37 Stationen auf Platz 18 rangiert. In Berlin gibt es 0,31 Ladestationen pro 100.000 Einwohner, mehr als doppelt so viel wie in Wien mit nur 0,15 pro 100.000 Einwohner.

Oslo hat mit fast sechs (5,47) Ladestationen pro km² die größte Dichte an Ladestationen für Elektrofahrzeuge in Europa. Die norwegische Hauptstadt verfügt über insgesamt 2.481 Ladestationen für Elektrofahrzeuge, 96 % mehr als das dänische Kopenhagen. Mit fast vier Ladestationen pro 100.000 Einwohner, der höchsten Zahl aller 31 analysierten europäischen Städte, ist Oslo die Stadt, die am besten für die Einführung von Elektrofahrzeugen in Europa ausgestattet ist.

Mit über drei Ladestationen pro km² hat London die zweitgrößte Dichte an Ladestationen für Elektrofahrzeuge in Europa. Die britische Hauptstadt verfügt insgesamt über fast 5.000 Ladestationen für Elektrofahrzeuge, über 16-mal so viele wie Paris.  London hat 0,56 Buchten pro 100.000 Einwohner, das ist mehr als dreimal so viel wie Brüssel in Belgien mit nur 0,18.

Angesichts der zweitgrößten Bereitstellung von Lademöglichkeiten für Elektrofahrzeuge pro km² ist es keine Überraschung, dass die Akzeptanz von Elektrofahrzeugen in London rapide zunimmt: Mittlerweile ist jedes achte in London neu zugelassene Auto elektrisch.

Die geringste Dichte an Ladestationen für Elektrofahrzeuge in Europa hat mit 0,01 Ladebuchten pro km² Sofia . Die bulgarische Hauptstadt beherbergt nur 15 Ladestationen – 87 % weniger als die Nachbarstadt Bukarest in Rumänien, die über insgesamt 121 verfügt.

Weitere Fakten, die man kennen sollte: Laut Statista waren deutschlandweit am 1. Juli 2022 insgesamt 63.570 Ladepunkte für Elektrofahrzeuge in Betrieb. Im Vergleich zum April 2022 entspricht das einem Zuwachs von circa 2.500 Ladepunkten. Die meisten Ladepunkte befinden sich im Bundesland Bayern.

Die Niederlande sind das EU-Land mit den meisten Ladestationen. 82.263 Ladepunkte wurden vom VDA im ersten Quartal 2021 ermittelt. Nach EU-Angaben müssen sich bei mehr als 243.000 E-Autos im Land, trotzdem müssen sich nur fünf Stromer einen Ladepunkt teilen.

Noch besser ist es im dünn besiedelten Norwegen

Etwa 9.633 E-Ladestationen stehen dort zur Verfügung. Das sind ganze 185 Ladestationen pro 10.000 Einwohner und nach Recherchen des Verkehrsclub Österreich (VCÖ) der Spitzenwert in Europa. Jüngsten Zahlen zufolge besitzt Norwegen derzeit die meisten Elektrofahrzeuge in Europa. Tatsächlich entfielen im vergangenen Jahr mehr als 33% der Neuzulassungen auf Plug-in-Elektrofahrzeuge, und Norwegen hat sogar den größten Anteil an Elektrofahrzeugen weltweit.

Ben Gallizzi, EV-Experte von Uswitch.com, kommentiert: „Wenn es darum geht, ein Elektroauto unterwegs aufzuladen, können Fahrer dies über eine wachsende Zahl öffentlicher EV-Ladepunkte tun, die sich in den Innenstädten weltweit befinden.“

Und darüber freuen sich besonders die Italiener

Platz 1 der Elektrofahrzeuge in Deutschland ist, mit 13.448 Neuzulassungen, der Fiat 500. Der elektrische Fiat 500 war im Juli wie auch in den ersten sechs Monaten des Jahres 2022 das beliebteste Elektroauto der Deutschen.

Das auch noch. Unlängst titelte der Spiegel: „Der Elektro-Schock – Elektroautobesitzer fahren unsicheren Zeiten entgegen: Strom wird deutlich teurer, der Kostenvorteil ihrer Fahrzeuge gerät in Gefahr“.

 

Wir brauchen uns aber nichts vormachen, es wird noch ein langer Weg werden, bis alle PKWs elektrisch fahren.

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