Fruktoseintoleranz

28. Juli 2021

Was es zu beachten gilt

Was es zu beachten gilt

Viele Menschen leiden unter Nahrungsmittelintoleranzen und haben damit erhebliche Beschwerden, die das Leben nicht einfacher machen. Laktose-, Fruktose- und Histaminintoleranz sind weit verbreitet. Sie verursachen häufig Beschwerden. Wir schauen uns nun einmal an, was eine Fruktoseintoleranz für Folgen haben kann.

Die häufigste Form der den Darm betreffenden intestinalen Fruktoseintoleranz ist die Fruktosemalabsorption, bei der es sich um eine Erkrankung handelt, die sowohl angeboren als auch erworben werden kann. Ursache für die Unverträglichkeit ist ein defektes Transportprotein, das man GLUT-5-Transporter nennt.

Zirka 30 % der deutschen Bevölkerung leiden an einer Fruktoseintoleranz. Auch im europäischen Vergleich sieht es nicht besser aus. Etwa 30–40 % der Mitteleuropäer sind von der Fruktosemalabsorption betroffen, davon rund die Hälfte mit Symptomen.

Etwa 20 bis 30% der europäischen Bevölkerung besitzen nicht die Fähigkeit, alle Zucker wie Fruktose, Sorbit oder Laktose zu verdauen. Die Mutationen A149P, A174D und N334K kommen dabei in Europa am häufigsten vor. Diese sind für ca. 85 % aller Patienten mit HFI (hereditäre Fruktoseintoleranz) verantwortlich.

Die HFI wird autosomal-rezessiv vererbt. Das bedeutet, dass man erkrankt, wenn beide Eltern Träger dieser genetischen Abweichung sind. Rein statistisch liegt das Risiko, die Krankheit auszubilden, bei 25%. Das Traurige daran ist aber, dass diese Krankheit nicht medikamentös behandelt werden kann. Das Therapieprinzip ist die Eliminierung von Fruktose aus der Nahrung.

Bei Wikipedia heißt es: Hereditäre Fruktoseintoleranz (HFI) ist eine seltene Krankheit, die durch eine erbliche Störung des Fruktosestoffwechsels bedingt ist, bei der das aus Fruktose (Fruchtzucker) gebildete Fruktose-1-phosphat nicht oder nicht in ausreichenden Mengen abgebaut werden kann. Als Folge ist der Fruchtzuckergehalt in den Zellen mit einer toxischen Wirkung erhöht, der wiederum die Verstoffwechselung der Glukose stört und eine Unterzuckerung verursacht. Sie darf nicht mit der sehr viel häufiger vorkommenden intestinalen Fruktoseintoleranz aufgrund von Fruktosemalabsorption verwechselt werden.

Sprich: Es gibt also zwei unterschiedliche Formen der Fruktoseintoleranz. Bei der intestinalen Fruktoseintoleranz (Fruktosemalabsorption) handelt es sich um eine erworbene FruchtzuckerUnverträglichkeit, die hereditäre Fruktoseintoleranz gehört zu den seltenen angeborenen Stoffwechselstörungen. Wer davon betroffen ist, muss sein Leben lang dem Fruchtzucker aus dem Weg gehen.

Diagnose Fruktoseintoleranz 

Die Betroffenen haben es nicht leicht, bis zur Feststellung einer Fruktoseintoleranz haben sie oftmals einen langen Weg mit jahrelangen Beschwerden und einem Ärztemarathon hinter sich. Das liegt daran, dass nicht jeder Arzt Beschwerden wie Bauchschmerzen, Krämpfe und Verdauungsstörungen richtig einordnet. Oftmals werden andere Diagnosen gestellt, bis die Diagnose Fruktosemalabsorption feststeht. Was passiert im Körper der Betroffenen:

Bei einer Fruktoseintoleranz wird die Aufnahme von Fruktose aus dem Darm ins Blut gestört, mit der Folge, dass der Fruchtzucker nicht in ausreichender Menge vom Darm in den Körper aufgenommen wird.

Im Dickdarm wird die Fruktose von Bakterien zu Wasserstoff, Methan, Kohlendioxid und kurzkettigen Fettsäuren abgebaut, was die Probleme verursacht.

Die Symptome und Beschwerden

Die typischen Beschwerden und Symptome sind Blähungen, Durchfall, Verstopfung, Kopfschmerzen, aufgeblähter Bauch, Übelkeit, Bauchschmerzen und Krämpfe. Bei einer fortgeschrittenen Fruktoseintoleranz können weitere Symptome wie ein schwaches Immunsystem, depressive Verstimmungen, Heißhungerattacken und Antriebslosigkeit hinzukommen.

Wie ihr seht, kommt hier einiges zusammen, was das Leben nicht leichter macht. Solltet ihr die Vermutung haben, betroffen zu sein, kann das euer Arzt leicht mithilfe eines Atemtests,dem sogenannten Wasserstoffatemtest-H2 abklären und feststellen, ob ihr an einer Fruktoseintoleranz leidet.

Der Fruktose- Belastungstest ist sehr genau und aussagekräftig. Sollte sich mithilfe dieses Tests der Verdacht bestätigen, müssen sich die Betroffenen darauf einstellen, ihre Essgewohnheiten radikal zu ändern, denn es können sogar lebensbedrohliche Zustände auftreten. Bleibt die erworbene Fruktoseintoleranz über längere Zeit unentdeckt, können Mangelerscheinungen die Folge sein und die Darmflora geschädigt werden.

Der Wasserstoffatemtest ist aber nicht ohne Risiko für diejenigen die an der hereditären Variante leiden, da die zur Diagnosestellung unverzichtbare Einnahme einer hochkonzentrierten Fruktose-Lösung einen hypoglykämischen Schock auslösen kann, der sogar mit dem Verlust des Bewusstseins einhergehen kann. Die Symptome der hereditären Fruktoseintoleranz sind Erbrechen, Hypoglykämie (Unterzuckerung), Vergrößerung der Leber mit späterem Übergang in Zirrhose, Gerinnungsstörung, Schock und Eiweißausscheidung über die Nieren (Proteinurie). 

Auf Betroffene kommt nun einiges zu:

Wenn nun eine hereditäre Fruktoseintoleranz vorliegt, gibt es nur einen Weg, den lebenslangen Verzicht auf fruchtzuckerhaltige Lebensmittel, und das ist einfacher gesagt als getan. Fruktose ist vor allem in Früchten, im Honig, aber auch im Gemüse enthalten. Einen besonders hohen Gehalt an Fruktose haben Weintrauben, frische Datteln, rote Johannisbeeren und Trockenobst. 

Verbotene Lebensmittel bei einer hereditären Fruktoseintoleranz

Die verbotenen Lebensmittel, die Sie nicht mehr zu sich nehmen dürfen, hat das Institut für Ernährungsinformation zusammengestellt.Haushaltszucker, Honig, Invert- und Diabetikerzucker, alle zuckerhaltigen Lebensmittel wie: Süßigkeiten aller Art, gesüßte Milch- und Getreideerzeugnisse, gesüßte Wurstwaren, Obst- und Gemüsekonserven. Alle nicht ausdrücklich erlaubten Obst- und Gemüsesorten, Fruchtsäfte, Marmelade, (fertige) Mayonnaise, Ketchup, Fertigsaucen, Fleisch, Wurst und Fisch mit fertiger Salatsoße oder mit Marinade. Alle insulinhaltigen Lebensmittel wie: Topinambur, Artischocken, alle mit Sorbit (Sorbitol) hergestellten Lebensmittel (Zutatenliste beachten, Sorbit hat die E-Nummer 420). Vorsicht ist auch bei Tabletten geboten.

Therapie der hereditären Fruktoseintoleranz

Nur durch ein striktes, lebenslanges Meiden von Fruktose kann einer Lebererkrankung vorgebeugt werden. Diese Form der Fruktoseintoleranz verlangt somit nach einer völlig anderen Ernährung als es bei der intestinalen Form (Fruktosemalabsorption) der Fall ist. Wir sollten nicht vergessen:Diese Krankheit kann nicht medikamentös behandelt werden. Anders sieht das bei der Fruktosemalabsorption (erworbene Fruktoseintoleranz) aus, die sich in den Griff bekommen und manchmal sogar ganz therapieren lässt. Nur eines muss man wissen, es ist leider nicht so einfach, denn dazu gehört jahrelange Disziplin und sehr viel Geduld. 

Auf alles muss man aber nicht verzichten, denn es gibt auch zum Glück fruktosearmes Gemüse, welches man in Massen zu sich nehmen kann. Dazu gehören Champignons, Chicorée, Broccoli, Feldsalat, grüne Bohnen, Kopfsalat, Radieschen, Weißkohl, Tomaten, Blumenkohl, Chinakohl, Grünkohl, Erbsen, Pilze, Rettiche, Spargel, Gurken, Spinat, Sellerie, Mangold, Karotten, Sauerkraut und Zucchini. Beim Obst solltet ihr sehr genau auf die Werte schauen.

ZUCKERGEHALT VON OBST: TABELLE DER OBSTSORTEN – Zuckergehalt pro 100 Gramm

Ananas 13,1 g
Apfel 11,4 g
Aprikose 8,5 g
Banane 21,4 g
Birne 2,4 g
Brombeere 2,7 g
Erdbeere 5,5 g
Feige 12,9 g
Granatapfel 16,7 g
Grapefruit 8,9 g
Heidelbeere 7,4 g
Himbeere 4,8 g
Johannisbeere 7,3 g
Johannisbeere 10,3 g
Kiwi 10,8 g
Mandarine 10,1 g
Mango 12,8 g
Maracuja 13,4 g
Mirabelle 14,0 g

Nektarine 12,4 g
Orange 9,2 g
Papaya 2,4 g
Pfirsich 8,9 g
Pflaume 10,2 g
Sauerkirsche 11,0 g
Stachelbeere 8,5 g
Süßkirsche 13,3 g
Wassermelone 8,3 g
Weintraube 15,6 g
Zwetschge 8,8 g

Wie wir sehen, macht es einen großen Unterschied aus, ob man eine Birne oder eine Banane zu sich nimmt (Datenquelle: Universität Hohenheim, Institut für Biologische Chemie und Ernährungswissenschaften).

Auf Babys und Kleinkinder achten

Das hat uns ganz besonders beschäftigt: Die angeborene Fruktoseintoleranz bei Babys und Kindern. Babys können sich nun einmal nicht artikulieren, um ihren Beschwerden Ausdruck zu verleihen, daher müssen Eltern ganz besonders auf das Verhalten ihrer Kleinen nach dem Füttern achten. Babys zeigen Unverträglichkeitsreaktionen, wenn sie auf Beikost umgestellt werden. Als Beikost wird alles bezeichnet, was Babys außer Muttermilch oder Säuglingsmilchnahrung bekommen, zum Beispiel Gemüse, Obst, Kartoffeln usw.

Woran könnt ihr erkennen, dass euer Baby eine Fruktoseintoleranz hat? Wenn ihr beobachtet, dass euer Baby oder Kleinkind Süßes ablehnt, ungern zu sich nimmt, anschließend erbricht, zittert und unter Blähungen, Übelkeit, Erbrechen, Krämpfen, Durchfall und Verstopfungen leidet, müsst ihr umgehend euren Kinderarzt aufsuchen, ansonsten kann es zu schweren Entwicklungsstörungen kommen. Nur eine frühe Diagnose kann Schlimmeres verhindern.

Wenn ihr zu den Betroffenen zählt, gibt es nur einen Weg: Dem Fruchtzucker aus dem Weg gehen.

Bleibt gesund!

Quellen:

Institut für Ernährungsinformation