Gesunde Gewürze

30. April 2021

Ihre mögliche Heilkraft

Ihre mögliche Heilkraft

Was wären unsere Speisen ohne Gewürze? Die meisten Gerichte würden ohne die geschmacksgebenden Zutaten wohl sehr mau schmecken. Das Wort Gewürz hat seinen Ursprung im mittelhochdeutschen und bedeutete in seinen Ursprungsformen einfach nur „Wurzel“. Die Liste der heute am meisten verwendeten Gewürze ist lang.

Dazu gehören Ingwer, Kurkuma, Meerrettich, Wasabi, Küchenzwiebel, Knoblauch, Muskatnuss, Pfeffer, Paprika, Wacholderbeeren, Vanille, Kümmel und Anis sowie Safran, Gewürznelken, Kapern, Zimt, getrocknete Kräuter, Lorbeerblätter und Kaffirlimettenblätter. Dazu kommen noch die Kräuter wie Basilikum, Fenchel, Koriander, Lavendel, Majoran, Oregano, Rosmarin, Minze, Estragon sowie die Klassiker Dill und Schnittlauch.

Hildegard von Bingen, die Gewürz- und Kräuterfee

Bevor wir uns den gesunden Gewürzen zuwenden, schauen wir wie so oft erst einmal in die Geschichte der Gewürze und Kräuter. Die erste Kräuter- und Gewürzfee dürfte schon im 12. Jahrhundert Hildegard von Bingen gewesen sein, die sich ausführlich mit Kräutern und Gewürzen beschäftigte und ihre Heilkraft zu schätzen wusste. 

Seinerzeit wurden die Gewürze in den Klöstern auch schon zu Medizin verarbeitet. Die getrockneten Wurzeln und Samen von Kräutern wurden pulverisiert und anschließend einfach in die Suppe, den Tee, den Wein oder aufs Brot gestreut. 

Galgant

So hat Hildegard von Bingen schon Galgant, der auch milder Ingwer genannt wird, bei Fieber, Herzschwäche, Atemwegserkrankungen und Schleim in Nase und Rachen eingesetzt. Galgant gilt heute als das universellste Herzmittel.

Hildegard von Bingen schrieb: „Wer im Herzen Schmerzen leidet und wem von Seiten des Herzens ein Schwächeanfall droht, der esse sogleich eine hinreichende Menge Galgant und es wird im besser gehen. Und ein Mensch, der ein hitziges Fieber in sich hat, trinkt Galgantpulver in Quellwasser und er wird das hitzige Fieber löschen.“

Muskatnuss

Die Muskatnuss diente Hildegard von Bingen zur Steigerung des körperlichen und seelischen Wohlbefindens. Sie „öffnet das Herz, reinigt die Sinne und bereitet einen guten Verstand“, meinte sie. Bei Völlegefühl, Blähungen, Magenkrämpfen und Verdauungsschwäche setzte Hildegard die Bachminze ein. 

Zimt

Hildegard von Bingen beschrieb die Wirkung der Zimtrinde mit den Worten: „Zimt oft gegessen, mindert die Fehlsäfte und führt gute Säfte herbei. Sie fördert laut Hildegard von Bingen den Stoffwechsel und lindert, in warmem Wein, gichtartige Schmerzen.

Krausminze

Über die Krauseminze schrieb sie: „Wie das Salz mäßig beigefügt, jede Speise mäßigt, weil es schlecht ist, wenn zu viel oder zu wenig der Speise beigefügt wird, so gibt die Krauseminze, wenn sie dem Fleisch, dem Fisch, den Speisen oder dem Mus beigefügt wird, einen guten Geschmack und eine gute Würze und so erwärmt sie auch gegessen den Magen und verschafft eine gute Verdauung“. Weiter schrieb sie, dass „ein kalter Magen schlecht durchblutet ist und so die Verdauung nicht in Gang bringen kann“. Dagegen helfe die Krauseminze

Kümmel

Kümmel wird eine antiallergische Wirkung zugeschrieben. Hildegard von Bingen warnte jedoch, dass Kümmel für Herzleidende und Kranke nicht gesund sei. Beim Gesunden aber trage er zu klarem Denken bei und führe zu Ausgeglichenheit. Außerdem schrieb Hildegard: „Ein Mensch, der Käse essen will, nehme dazu Kümmel, damit er nicht zu Schaden kommt.“ 

Fenchel

In der Hildegard-Heilkunde spielt der Fenchel eine besonders große Rolle, er gilt als eines der wenigen hundertprozentig gesunden Universalmittel gegen alle Magen-Darm-Leiden. „Der Fenchel, wie auch immer er gegessen wird, macht den Menschen fröhlich und vermittelt ihm angenehme Wärme (gute Durchblutung), guten Schweiß und gute Verdauung. Denn wer Fenchel oder seinen Samen nüchtern isst, vermindert den üblen Schleim oder die Fäulnisse in ihm und er unterdrückt den üblen Geruch seines Atem“, so Hildegard von Bingen.

Heute hat die Wissenschaft fundiert nachgewiesen, dass Fenchel gegen krampfartige Beschwerden und Blähungen im Magen-Darm-Bereich hilft. Aus unserer heimischen Küche ist er kaum noch wegzudenken, sein leicht süßlicher, würziger Geschmack und sein frischer Geruch begeistern auch viele Hobbygärtner.

Bertramwurzel

Die Bertramwurzel bietet uns hervorragende Einsatzmöglichkeiten in der Küche als Gewürz und fördert ganz besonders die Gesundheit, das wusste schon Hildegard von Bingen. Hildegard empfahl „einem Gesunden Bertram zu essen, weil er schlechte Säfte in ihm vermindert und das gute Blut vermehrt und im Menschen den Intellekt reinigt.

Einen Kranken, der körperlich fast ganz heruntergekommen ist, bringt er wieder zu Kräften. Er lässt im Menschen nichts unverdaut, sondern bereitet gute Verdauung, wenn man ihn fleißig isst. Er mindert die Verschleimung im Kopf, und führt zur Säfte-Reinigung und klärt die Augen.

Ob man ihn trocken isst oder in Speisen, ist Bertram nützlich und gut einem kranken und einem gesunden Menschen. Er scheucht das Kranksein von ihm und hindert das Krankwerden. Er lockt im Mund Feuchtigkeit und Speichel an, weil er schlechte Säfte ausleitet und Gesundheit zurückgibt.“

Diptam

Eine sehr seltene Pflanze ist das Diptam, und Hildegard von Bingen hat deren Wirkung auf Blasensteine frühzeitig erkannt. Die Pflanze steht heute unter Naturschutz und wird in Heilpflanzengärten angebaut. „Wenn in einem Menschen der (Blasen-)Stein zu wachsen anfängt, so pulvere er den Diptam und esse dieses Pulver häufig mit Weizenbrot und das verhindert ein weiteres Wachstum des Steines.“

Heute weiß man mehr über die Wirkung von Diptam. So wird die Wurzel gegen Arteriosklerose eingesetzt, eine der häufigsten Todesursachen in den westlichen Industrienationen. 

Enzianwurzel

Selbst gegen Schwermut und Gemütsleiden, den Melancholieschmerz, hat Hildegard etwas gefunden – die Enzianwurzel. „Wer an einem derartigen Herzschmerz leidet, dass (er meint), sein Leben hinge nur noch an einem Faden, der pulvere gelben Enzian und esse dieses Pulver in der Suppe, und sein Herz kommt zu Kräften“, schrieb die Heilkundige.

Indischer Flohsamen

Der indische Flohsamen reinigt und schützt die Magen- und Darmflora. Hildegard von Bingen beschreibt in ihrem Naturkundebuch die Wirkungsweise des indischen Flohsamens wie folgt: „Die gedrückte Stimmung eines Menschen macht er froh und dem Gehirn hilft er zur Gesundheit. Aber auch wer Fieber in Magen/Darm hat, koche Flohsamen in Wein, seihe ab und gebe den Flohsamen in ein Tüchlein und binde es so warm über seinen Magen/Darm und es wird das Fieber von dort verjagen.“

Ysop

Ysop, vielen Hobbygärtnern auch als Essigkraut bekannt, ist ein Würzkraut, das in Speisen mitgekocht wird. „Ist die Leber durch Traurigkeit krank, so koche er Junghühner mit Ysop und er esse sowohl den Ysop wie auch dieses Junghähnchen oft und die Traurigkeit weicht“, so Hildegard von Bingen.

Erst Anfang des 16. Jahrhunderts blühte der Gewürzhandel

Erst die Erschließung des Seewegs um Afrika herum nach Asien Ende des 15., Anfang des 16. Jahrhunderts brachte den Gewürzhandel richtig in Schwung. Das war der Beginn großen Reichtums, der auch mit Waffengewalt verteidigt wurde.

Die Reise zum indischen Subkontinent und zu den Gewürzinseln Hinterindiens (Molukken) über die sogenannte Gewürzroute wurde zum lukrativen Geschäft. Im Mittelalter war zum Beispiel Pfeffer so wertvoll wie Gold.Die richtig reichen Männer ihrer Zeit wurden daher auch Pfeffersäcke genannt. Die teuersten Gewürze sind heute Vanille, Safran und Kardamom

Selbstverständlich kann man auch ohne Gewürze Essen zubereiten, aber wer will das schon?Neben der kulinarischen Bedeutung, das hat uns Hildegard von Bingen gelehrt, sind Kräuter und Gewürze ja schließlich auch wichtig für unsere Gesundheit. 

Gewürze können entzündungshemmend wirken, den Stoffwechsel ankurbeln, den Blutzuckerspiegel stabilisieren oder die Fettverbrennung unterstützen. Sie können sogar antibakteriell sein und gegen Pilze wirken. Für viele gilt heute Kurkuma als Superfood. Die kleine Wurzel aus Asien wird mittlerweile sogar als Wundermittel angepriesen.

In einem weiteren Artikel werden wir uns mit Kräutern und dem Kräutergarten beschäftigen. 

PS: Der Inhalt dieses Artikels ist nur zu Informationszwecken bestimmt und nicht zur Selbstbehandlung. Bei Beschwerden sucht euren Arzt oder eure Ärztin auf.