Plastikverpackungen

6. Oktober 2020

Gefahr für Mensch und Umwelt

Die meisten Lebensmittel, die wir einkaufen, sind verpackt, doch mit steigendem Umweltbewusstsein lehnen die Verbraucher Kunststoffverpackungen zunehmend ab. Die Plastikberge, die der Umwelt und der Tierwelt schaden, wirken auf immer mehr Menschen verstörend.

Gefahr für Mensch und Umwelt

Obwohl das Bewusstsein für die Umwelt­ und Gesundheitsschäden durch Plastik wächst, erleben wir einen Boom bei der Plastikproduktion. Dieser Trend wird auch in Zukunft anhalten, schreiben Barbara Unmüßig von der Heinrich-Böll-Stiftung und Hubert Weiger vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland und machen eindringlich auf die gesundheitlichen Schäden aufmerksam. Sie sprechen von einer aus den Fugen geratenen Plastikproduktion. Verborgen bleiben die gesundheitlichen Folgen für den Menschen.

Plastik-Berge auf der ganzen Welt

Im Jahr 2018 wurden weltweit circa 359 Millionen Tonnen Kunststoff produziert – rund 19 Millionen Tonnen in Deutschland. Viel davon landet als Verpackung für Lebensmittel in den Supermärkten.

Diese hohe Produktion von Kunststoffen erzeugt naturgemäß jede Menge an Kunststoffabfällen. Allein in Europa fielen im Jahr 2018 über 29 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle an, meldete das Statistik-Portal „Statista“.

Das Tragische dabei ist, dass fast 80 Prozent des gesamten Meeresmülls aus Kunststoffen besteht, der über die Flüsse in die Meere gelangt. Nur mal ein Beispiel: Bis zu 20 Jahre benötigt eine Einkaufstüte im Meer, bis sie sich komplett zersetzt hat.

Bei einer PET-Flasche dauert es fast 450 Jahre, bis sie sich im Wasser zersetzt hat und in Form von Mikroplastik auf den Meeresgrund sinkt. 1978 entschied Coca-Cola, die legendäre Glasflasche durch Plastikflaschen zu ersetzen, was man durchaus als Anfang vom Ende bezeichnen kann.

Weltweit werden jährlich mehr als 500 Milliarden Plastikflaschen verkauft. Schon 2016 gingen pro Minute über 1 Millionen Plastikflaschen über den Ladentisch. Davon wurden nur 7 Prozent durch Recycling wiederverwendet. Der große Plastikberg landet auf dem Müll oder im Wasser.

In Deutschland werden 16,4 Milliarden Einweg-Plastikflaschen verbraucht, das entspricht guten 500.000 Tonnen Müll. Rund 38 Kilogramm Plastikmüll produziert jeder deutsche Bundesbürger pro Jahr. Zu diesem Ergebnis kommt der Plastikatlas 2019. Damit liegt Deutschland im Europavergleich in der Spitzengruppe.

Wegwerfmentalität – Müll für die Welt

Noch in den fünfziger Jahren verwendeten Menschen Plastik mit so viel Sorgfalt wie Glas oder Seide. Dann entdeckten die Konsumgüterkonzerne die Vorzüge des Materials. Und es entwickelte sich ein Lebensstil, der unentwegt Abfall produziert, schreibt die Heinrich-Böll-Stiftung.

Leider beschränkt sich die Diskussion um Plastik in der öffentlichen Wahrnehmung fast nur auf Plastiktüten oder Plastikflaschen. Über die Lebensmittel-Verpackung aus Plastik wird dagegen kaum gesprochen. Einer der größten Abnehmer von Kunststoffen ist die Lebensmittelindustrie. Ihre Produkte sollen schön verpackt sein und die Bedürfnisse der Verbrauer befriedigen.

Plastik in der Nahrungskette

Der Preis: Das Plastik landet auch auf Äckern und gelangt so in Lebensmittel und damit in die Nahrungskette. Zudem können, so die Verbraucherzentrale, Schadstoffe aus Verpackungen in Lebensmittel übergehen. Die einzige Ausnahme ist Glas.

Die meisten Lebensmittel im Supermarkt sind verpackt, was an sich erst einmal nicht schlecht sein muss. Die Verpackung schützt vor äußeren Einflüssen und verlängert die Haltbarkeit der Ware. Zudem erleichtert es für die Hersteller den Transport und die Vorratslagerung.

Schadstoffe in Lebensmitteln

Doch leider können Schadstoffe in die Lebensmittel gelangen, und oftmals ist die Verpackung sogar überflüssig. Müssen Obst und Gemüse überhaupt in Plastikfolie eingepackt werden?

Vorgeschnittene Salate in kleinen Plastikschälchen, Gurken in Folie, Nudeln im Plastikbeutel, Hackfleisch, Wurstwaren, Käse, usw.: Alles wird in Plastik verpackt. Aber muss das eigentlich sein? Können diese Produkte nicht auch von der Frischetheke mit weniger Plastikverpackungen angeboten werden? Ganz zu schweigen von den Millionen von Plastik-Joghurtbechern. Plastik sollte mit landwirtschaftlichen Produkten, die auf unseren Tellern landen, besser nicht in Berührung kommen.

Gehen Inhaltsstoffe aus der Verpackung in ein Lebensmittel über, spricht man von Migration. Wie hoch diese sein darf, regeln konkrete Höchstmengen und Grenzwerte, die das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) festgelegt hat. Besser wäre es jedoch, wenn überhaupt keine Substanzen aus der Verpackung auf Lebensmittel übergehen dürften. Daher sollte man besser sehr kritisch einkaufen.

Das Zauberwort lautet „Convenience

Die gesamte Ernährung in Europa ist ohne Plastik nicht mehr vorstellbar. Schlimmer noch: In allen Ländern wird immer mehr Plastik im Lebensmittelsektor eingesetzt. Das ist eine Folge der Vermarktung: Weg von den Bauernmärkten, hin zu den Supermärkten.

Die Lebensmittelbranche hat sich in ganz Europa grundlegend verändert. Das Zauberwort lautet heute Convenience, zu Deutsch: Bequemlichkeit. Dazu kann man bei Wikipedia lesen: Convenience Food oder Convenience-Lebensmittel ist ein aus dem Englischen entlehnter Begriff für „bequemes Essen“.

Der Ernährungsreport 2019 zeigt, dass 48 Prozent der Befragten eine schnelle und einfache Zubereitung ihrer Mahlzeiten wichtig ist. Und genau darauf reagiert die Lebensmittelindustrie, indem sie immer mehr Fertiggerichte – oft in Plastik eingepackt – anbietet.

Und es wird immer mehr: Zum Beispiel leben in mehr als 75 Prozent der deutschen Haushalte nur ein oder zwei Personen. Dadurch werden die Portionen immer kleiner und die Supermärkte bieten daher heute schon Portionen für Singles an, mit der Folge, dass immer mehr Plastik in Umlauf gebracht wird. An seine Gesundheit denken dabei die wenigsten. 2018 wurden für Essen und Getränke mehr als 1,13 Billionen Verpackungen verwendet. Dabei war das häufigste und wichtigste Verpackungsmaterial: Plastik.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Klebstoffe

Darauf weist die Verbraucherzentrale hin: „Die meisten Verpackungen und sonstige Materialien, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, werden unter Verwendung von Klebstoffen hergestellt. Die oft sehr komplexen Rezepturen enthalten zahlreiche Einzelkomponenten. Jede einzelne Rezeptur besteht aus bis zu 15 Bestandteilen, wobei mehrere hundert Substanzen für Klebstoffe eingesetzt werden können“.

Und weiter: „Gerade bei wiederverschließbaren Verpackungen spielen Klebstoffe eine große Rolle – zum Beispiel bei Fleisch- und Wurstwaren sowie bei Käse in Scheiben. Bei wiederverschließbaren Verpackungen können mehr Stoffe von der Verpackung ins Lebensmittel übergehen als bei nicht wiederverschließbaren Verpackungen vergleichbaren Typs“.

Eine weitere Gefahr ist Bisphenol A (BPA), eine hormonell wirksame Chemikalie. BPA ähnelt in der Wirkung dem weiblichen Hormon Östrogen und beeinflusst das Hormonsystem. Schon geringe Mengen BPA können östrogenartig wirken und sind erheblich gesundheitsgefährdend.

Es gibt Hoffnung

Doch anscheinend gibt es Hoffnung: Immer mehr setzt sich die Erkenntnis durch, dass unverpackte Lebensmittel die Umwelt und die Gesundheit schonen. Der Druck wächst, der Verbraucher will die Lebensmittel- und Konsumgüterbranche zu mehr Umweltbewusstsein bewegen.

In immer mehr europäischen Städten entstehen Läden, die unverpackte Lebensmittel anbieten. Laut einer repräsentativen Umfrage aus dem Jahr 2017 unterstützen 60 Prozent der Deutschen wie auch fast alle anderen Europäer diesen Trend. Die Verbraucher werden in Zukunft Marken an ihrem Engagement für Mensch und Natur messen.

Die anfangs gestellte Frage, ob man besser unverpackte Lebensmittel kauft, hat sich bestimmt beantwortet. Im Supermarkt sollte man Fleischwaren und Käse immer von der Frischetheke kaufen. Unverpacktes Obst und Gemüse bekommt man auf dem Wochenmarkt, in Hof und Bioläden- oder auch im kleinen Tante-Emma-Laden um die Ecke.

Wenn es mal nicht anders geht, kann man Lebensmittel aus dem Supermarkt fast immer auch in Karton-Verpackung oder – viel besser – im Glas einkaufen. Dosen sollte man hingegen unbedingt meiden. Die innere Oberfläche der Dose ist ganz oder teilweise mit einer dünnen Folie aus Epoxid-Kunststoff beschichtet, die oftmals Bisphenol-A (BPA) enthält: ein Stoff, der in das Lebensmittel übergehen kann.

Merke: Verzichte beim Einkauf möglichst auf Plastikverpackungen und geh dem Plastik im Alltag konsequent aus dem Weg! Hier findet ihr wertvolle Tipps zur Plastikvermeidung von der Verbraucherzentrale im Alltag.

Quellverweise:
Ernährung – Ein unappetitlicher Kreislauf von Christine Chemnitz und Christian Rehmer, S. 20
Bundesinstitut für Risikobewertung: Mikroplastik, repräsentative Bevölkerungsbefragung Deutschland, 22.01.2019,  S. 3