Zecken-Alarm

In fast ganz Europa

Der Frühling zeigt nun seine volle Pracht, alles blüht, und uns zieht es nach draußen an die frische Luft, in die Wälder und Wiesen. Park statt Laufband, Wiese statt Keller, Fahrrad statt Ergometer. Im Frühling wird unsere Welt wieder ein wenig größer. Das Erleben draußen ist vielfältiger und auch viel schöner.

Wir freuen uns darauf, wieder Sport im Freien zu machen wie Radtouren, Joggen, Wandern, Nordic Walking, Trekking oder Klettern. Endlich wieder Yoga, Pilates und Qi Gong im Park machen zu können, darauf freuen sich jetzt viele Menschen.

Sport im Freien ist gut für Körper und Seele. Zudem werden beim Outdoor-Sport mehr Kalorien verbraucht als beim Indoor-Sport. Frische Außenluft und natürliches Licht beleben uns. Auch heben Sonne und frische Luft unsere Laune.

Zecken-Alarm in fast ganz Europa

Das hört sich alles prima an, wenn es da nicht einen kleinen, wenn nicht gar großen Haken gäbe, worauf uns das RKI eindringlich aufmerksam macht. Denn in der freien Natur lauern auch Gefahren, die nicht zu unterschätzen sind. Wer in den Wald, in den Garten, oder in den Park geht, betritt Zeckengebiet, und das sollte man immer berücksichtigen.

Bedingt durch die immer höheren Temperaturen, erobern die gefährlichen Zecken immer weitere Teile von Europa. Waren sie zuvor meistens nur im Süden verbreitet, dringen sie nun auch in den Norden vor.

Neben Borreliose-Bakterien über die wir schon berichtet haben, können Zecken auch FSME-Viren übertragen. Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine Erkrankung der Hirnhäute und des zentralen Nervensystems, die mitunter zu schweren Verläufen mit neurologischen Ausfällen führen kann.

FSME-Endemiegebiete befinden sich laut RKI in Mitteleuropa in Österreich, Polen, Tschechien und der Slowakei. In Nordeuropa steigt das FSME-Risiko in den baltischen Ländern, Süd- und Mittelschweden, an der Südküste Norwegens und Finnlands und in Teilen Dänemarks.

Auch im europäischen Teil Russlands sowie in Süd­ost­europa in Ungarn, Kroatien, Slowenien und Albanien können Zecken FSME übertragen. Von geringerer Be­deu­tung sind Frank­reich (Elsass), Italien (Trentino) und Griechenland (Einzelfälle). Kein FSME-Ri­si­ko besteht auf der Iberischen Halbinsel, im Vereinigten König­reich und in den Benelux-Ländern.

Finnland weist die nördlichste Ausbreitung des FSME-Aufkommens in Europa auf. In einigen Regionen des Landes gilt das Virus als endemisch, also dauerhaft heimisch auftretend. Das FSME-Virus wurde vor allem in den Küstengebieten nachgewiesen.

In Deutschland war die durch Zecken übertragene FSME bislang hauptsächlich in den südlichen Bundesländern verbreitet, doch nun hat die Krankheit auch den Norden des Landes erreicht.

In NRW sind Zecken bereits weit verbreitet, und inzwischen häufen sich auch hier Fälle der FSME-Erkrankung. Solingen ist vom RKI ab 2022 sogar als erstes FSME-Risikogebiet in NRW ausgewiesen worden. Das Deutsche Rote Kreuz warnt, dass in diesem Jahr besonders viele Zecken im Grünen auf Beute aus sind. Und das nicht nur in den Sommermonaten, die Zecken lauern inzwischen ganzjährig auf Mensch und Tier, weil die Winter einfach zu warm geworden sind. Schon bei Temperaturen von über sieben Grad werden Zecken aktiv. Mittlerweile kommen bei uns heimische Zeckenarten wie der Gemeine Holzbock auch in Skandinavien vor.

Das FSME-Virus kann bereits 7 bis 14 Tage nach dem Zeckenbiss erste Symptome auslösen, warnt das RKI. Diese ähneln zunächst denen einer Grippe und verschwinden anschließend für bis zu einer Woche. Ein großer Teil (75 bis 90 Prozent) der FSME-Infektionen verlaufen ohne Symptome, berichtet das RKI. Nur 1 Prozent der Erkrankten stirbt daran.

Bei schwereren Verläufen können auch gefährliche Entzündungen im Gehirn, neurologische Ausfälle und lange andauernde Kopfschmerzen entstehen. In einer zweiten Phase kann die Erkrankung einen ernsten Verlauf nehmen. Dann können die Viren eine Entzündung der Hirnhaut oder des Rückenmarks hervorrufen.

Dann können auch Monate nach dem Zeckenbiss neurologische Probleme auftreten. Dem RKI gemäß drohen durch die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) mitunter bleibende Schäden.

Besonders gefährliche Zecken aus Afrika machen sich breit

Zecken der Gattung Hyalomma aus Afrika: Für die Expertin Ute Mackenstedt vom Fachbereich Parasitologie an der Universität Hohenheim sind diese Zecken die gefährlichsten Vektoren überhaupt, gefähr­licher noch als etwa Stechmücken.

„Zecken übertragen unglaublich viele verschiedene Krankheitserreger“, sagt Mackenstedt, „darunter Bakterien wie Rickettsien, die das Zecken-Fleckfieber auslösen, und Viren, die zu tödlichen Krankheiten wie dem Krim-Kongo Hämorrhagischen Fieber führen können.“ Nun breitet sich die Hyalomma-Zecke auch in Deutschland aus.

Die Afrika-Zecke Hyalomma

Anders als unsere heimischen Zeckenarten wie der Gemeine Holzbock, der nur in Gräsern und Hecken sitzt und auf einen Wirt wartet, greift die Gattung Hyalomma aus Afrika seine Opfer direkt an, und zwar: Pferde, Rehe, Rinder, Hunde und Menschen. Hyalomma-Zecken gehen regelrecht auf die Jagd nach Opfern. Sie können aus bis zu zehn Metern Entfernung mit den Augen oder chemischen Sinnen ihr Opfer erkennen und es dann über mehrere Hundert Meter verfolgen.

Die Hyalomma rufipes aus Afrika braucht vor allem hohe Temperaturen und lange Trocken­perioden, wie es sie 2019 und 2020 gab, um überleben zu können. „Nur wenn es lange warm ist und nicht regnet, kann die Hyalomma-Zecke in Deutschland überleben und auch ihre Eier legen,“ sagte Ute Mackenstedt der FAZ.

Weltweit gibt es rund 900 Zecken-Arten. Zecken können locker ein Jahr lang hungern und warten geduldig auf einen Wirt bis zu ihrer nächsten Blutmahlzeit.

Achtsam in der Natur

Wer gerne in der Natur unterwegs ist, sollte auf den Wegen bleiben und lange Kleidung tragen, weil Zecken sich von Grashalmen und Sträuchern abstreifen lassen. Außerdem solltet ihr nach einem Spaziergang im Wald und durch Wiesen euren Körper genau auf Zecken absuchen. Das gleiche gilt auch für euren Hund. Zecken sind dafür bekannt, sich an geschützten Stellen am Wirt anzuheften.

Beim Menschen machen sie es sich am liebsten in den Kniekehlen, Achselhöhlen, Leistengegend bequem, sie stechen am Kopf (Haaransatz, Ohren), häufig aber auch an Hals, in den Achseln, Ellenbeugen, am Bauchnabel oder im Genitalbereich. Beim Hund solltet ihr auf Kopf, Nacken, Schultern, Ohren und Brust achten. Das sind die Stellen, die beim Spazieren und Streunen den blutsaugenden Parasiten am nächsten kommen. Auch solltet ihr das Halsband und das Geschirr nach dem Spaziergang überprüfen, auch darunter verstecken sie sich gerne.

Was ist zu tun – bei einem Zeckenbiss?

Ihr solltet die Zecke schnell entfernen, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Die besten Hilfsmittel sind Zeckenkarten oder -zangen. Das Tier sollte möglichst nah am menschlichen Körper angepackt, also nah an den Mundwerkzeugen, und dann langsam und senkrecht herausgezogen werden.

Die Zecke darf nicht gequetscht und nicht gedreht werden. „Alle Teile der Zecke müssen entfernt werden, um eine Entzündung und Infektion durch den Zeckenbiss zu vermeiden“, so informiert das Robert Koch-Institut (RKI) auf seiner Website. Außerdem sollten Betroffene keinen Nagellack oder andere Hausmittel verwenden – dadurch steigt das Infektionsrisiko. Die betroffene Hautstelle solltet ihr mehrere Tage im Blick haben. Wenn ihr eine Veränderung festgestellt, solltet ihr sofort einen Arzt aufsuchen. Erste Anzeichen einer FSME-Erkrankung sind grippeähnliche Symptome wie Kopfschmerzen, Fieber und Gliederschmerzen.

Wir wünschen euch einen herrlichen Frühling – ohne Zecken!

Die Informationen im medisana Gesundheits-Blog ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte.

Quellen:

RKI

rnd.de

zecken.de

ruhr24.de

FAZ.net

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