Sommerzeit und Winterzeit

1. Juni 2021

Ist die Zeitumstellung ungesund?

Ist die Zeitumstellung ungesund?

Dass die Zeit ein wichtiges Gut ist, wissen wir alle. So gibt es die Tageszeit, die Uhrzeit, die Sommerzeit und die Winterzeit. Aber was ist die Zeit? Was bedeutet sie für uns? Klar ist, wer viel Zeit für sich, seine Familie und Freunde hat, dem geht es gut.

Man kann sagen, wer viel Zeit für sich hat, ist glücklicher. Auch bestimmen die Frühlings-, Sommer, Herbst und Winterzeit maßgeblich unser Leben. Bevor wir uns mit den Streitigkeiten über das Für und Wider der Sommer- und Winterzeit beschäftigen, schauen wir erstmal:

Was sagt die Philosophie über die Zeit?

Die Beantwortung der Frage, was Zeit ist, war jahrtausendelang ausschließlich eine Angelegenheit der Philosophie, Theologie und Mystik. Das Wort Zeit bezeichnet in der Philosophie, die vom menschlichen Bewusstsein wahrgenommene Form der Veränderungen oder der Abfolge von Ereignissen, so die Lehrbücher.

Erste Gedanken von Platon

Schon in der Antike haben sich u.a. die Philosophen Platon, Aristoteles und Heraklit mit dem Begriff der Zeit befasst. Die ersten Gedanken über die Zeit sind von Platon.

Platon verschob die Frage nach der Zeit auf die Frage nach dem Sein. Zeit war bei ihm ein Abbild der Ewigkeit, des ewigen Seins.

Für Aristoteles ist der Zeitbegriff dagegen untrennbar an Veränderungen gebunden. Veränderungen geschehen in der Zeit, aber von der Zeit selbst gilt das nicht. Sie selbst ist keine Bewegung, sondern das Maß jeder Bewegung.

Für Isaac Newton bilden die Zeit und der Raum die „Behälter“ für Ereignisse. Er meinte: „Zeit ist, und sie tickt gleichmäßig von Moment zu Moment.“

Immanuel Kant bestimmt die Zeit als einen Raum der „reinen Anschauungsform“ und zwar der des inneren Sinnes. „Sie ist unser Zugang zur Welt, gehört also zu den subjektiv-menschlichen Bedingungen der Welterkenntnis…“

Kaiser Wilhelm II war der Erste 

Soweit die Philosophen, nur hätten die sich nicht vorstellen können, dass eines Tages ein Streit über die Zeit ausbricht. Genauer gesagt, geht es um die Zeitumstellung von der Winterzeit auf die Sommerzeit und umgekehrt, worüber in ganz Europa gestritten wird. Erst einmal schauen wir aber, wer als erster Staat mit der Zeitumstellung begann.

Die Idee dazu hatte 1784 der US-Politiker und Erfinder Benjamin Franklin, dieser war der Meinung, dass man Energie sparen könne, wenn man im Sommer früher aufstehen würde. Doch erstmals umgesetzt wurde die Idee von Kaiser Wilhelm II. 

Die Idee von einer staatlich angeordneten Sommerzeit hatten zuvor schon George Vernon Hudson 1895 und William Willett 1907, diese plädierten für eine saisonale Zeitverschiebung. Die Veröffentlichung dieser Ideen fanden in der Öffentlichkeit und der Politik keine Befürworter und so gerieten sie schnell in Vergessenheit.

Am 30. April 1916 führten das Deutsche Reich, Österreich-Ungarn erstmalig die Sommerzeit ein. Der Grund war die Kriegswirtschaft. Man wollte durch das längere Tageslicht einfach nur die künstliche Beleuchtung reduzieren, um Energie einzusparen.

Auch Großbritannien, Italien und Frankreich entschlossen sich noch im gleichen Jahr ebenfalls für die Zeitumstellung. Schon drei Jahre später, im Jahr 1919, wurde sie in Deutschland wieder von der Weimarer Republik abgeschafft. 

Von da an ging es hin und her: Griechenland, Kanada, die USA, und die Sowjetunion führten sie mal ein und schafften sie wieder ab. Erst 1940, im Zweiten Weltkrieg, führte Deutschland die Sommerzeit erneut ein, um Energie zu sparen. Das änderte sich bald wieder.

Anschließend wurde es ruhig um die Sommerzeit. Erst die Ölpreiskrise 1973 brachte sie wieder ins Spiel. 1981 war die Schweiz das letzte Land in der Mitte Europas, das auch die Sommerzeit einführte. In Deutschland galt sie bereits seit 1980. Erst 1996 wurden die unterschiedlichen Sommerzeitregelungen in der Europäischen Union vereinheitlicht. Sie gelten seitdem in allen EU-Mitgliedstaaten.

Streit in der EU wegen der Sommerzeit

Doch trotz eines EU-Beschlusses von 2019 ist ein Ende der Zeitumstellung nicht in Sicht. Und so werden wir wohl noch einige Jahre mit ihr leben. Vorgesehen war, dass 2021 die Sommerzeit abgeschafft wird, doch daraus ist nichts geworden, da sich die Staaten nicht einigen können.

Das Europaparlament hatte entschieden, dass jeder Mitgliedsstaat selbst entscheiden kann, ob er eine dauerhafte Winter- oder Sommerzeit einführen will. Wir gehen davon aus, dass es noch bis 2025 keine Einigung geben wird.

Den meisten Menschen ist die Sommerzeit dabei deutlich lieber, dafür setzen sich die Deutschen, Franzosen und die meisten Südländer Europas ein. Nur die Nordländer sind aus guten Gründen dagegen. Nur mal ein Beispiel: Sollte die Sommerzeit das ganze Jahr über gelten, würdein Finnland die Sonne erst um 11 Uhr morgens aufgehen. Das könnte Depressionen begünstigen.

Natürlich freuen wir uns, dass im Sommer der Sonnenuntergang sich von 21 Uhr auf 22 Uhr verschiebt. Man kann länger draußen bleiben, abends Freunde zum Bier oder Wein treffen und bei Tageslicht bis 22 Uhr Sport treiben. Befürworter der Sommerzeit argumentieren daher auch, dass sich die heutigen Lebensgewohnheiten geändert hätten. Daher sei es für viele Menschen vorteilhaft, abends länger bei Tageslicht die Freizeit gestalten zu können.

Und doch wächst der Unmut in Deutschland über die Entscheidungsschwäche der EU-Staaten.

Ist die Zeitumstellung eine gesundheitliche Gefahr?

Chronobiologen sehen im Zusammenhang mit der Zeitumstellung das Risiko verstärkter Herz-Kreislauf-Beschwerden, entzündlicher Immunerkrankungen, von Depressionen sowie von Konzentrations- und Aufmerksamkeitsmangel. Selbst das Krebsrisiko soll zunehmen. Nach einer Studie von Imre Janszky und Rickard Ljung erhöht die Umstellung auf die Sommerzeit das Herzinfarktrisiko. Abgeschlagenheit, Schlafstörungen, Müdigkeit und Verstimmungen können auch eine Folge der Zeitumstellung sein.

Kritiker führen auch an, dass bei der Zeitumstellung die Anpassung an den neuen Tagesrhythmus mindestens mehrere Tage dauere, gesundheitsschädlich sei und während der Umstellungsphase die Produktivität verringere. Es lägen physiologische Studien vor, nach denen einige zirkadian schwankende Hormonspiegel, ähnlich dem des Stresshormons Kortisol, bis zu viereinhalb Monate brauchten, um sich vollständig den neuen Gegebenheiten anzupassen.  

In einer repräsentativen Umfrage der DAK im Oktober 2019 gaben 29 % der Teilnehmer an, dass ihnen die Umstellung Beschwerden bereite. Aber auch das gehört zu der Wahrheit:

Die Jüngeren wollen die Sommerzeit beibehalten, während Menschen über 65 Jahren lieber die Winterzeit hätten. Nun gut, wir glauben, dass sich der Streit, für das Für und Wider der Sommerzeit nur philosophisch lösen lässt. Doch: Leider können wir uns bei Platon, Aristoteles, Isaac Newton und Immanuel Kant keinen Rat mehr einholen.

Warum sollten wir uns weiter aufregen? Genießen wir doch einfach den Frühling und kommenden Sommer!

Bleibt gesund und zuversichtlich!