Glücklich auch im Winter

18. Dezember 2020

Geht das überhaupt?

Geht das überhaupt?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir erst einmal klären, was „Glück“ eigentlich bedeutet. Glück ist so individuell, dass jeder etwas anderes darunter versteht. Das Streben nach Glück ist so alt wie die Menschheit, und für viele ist es eine ewige Suche. Dabei stehen wir uns oft nur selber im Weg.

Das fängt schon damit an, dass wir über alles nachgrübeln und Probleme wälzen oder uns ständig mit anderen vergleichen. Der Vergleich mit anderen aber macht uns eher unglücklich und zermürbt uns.

Süchtig nach monetärem Wohlstand

Dabei ist die Suche nach Glück ein universelles Phänomen und die Sehnsucht danach istenorm. Viele sind geradezu süchtig danach, monetären Wohlstand zu erreichen, und glauben, dass uns Geld glücklich macht. Und natürlich ist es wissenschaftlich bewiesen, dass Armut und finanzielle Probleme unglücklich machen.

Finanzieller Wohlstand macht nicht glücklicher

Geld ist zwar generell relevant für das Wohlbefinden, aber der Effekt wird oft überschätzt. Einkommensreichtum hat nur einen begrenzten Einfluss auf das Lebensglück, und ab einer gewissen Einkommenshöhe gibt es keinen nennenswerten Zuwachs an Glück. Wir sagen mal so: Geld macht nicht glücklich, aber es beruhigt.

Der Wunsch nach einem perfekten Leben und danach, sich seine eigene Lebenswelt nach dem Motto: „It’s my life“ zu erschaffen, treibt seltsame Blüten. Es erscheinen immer mehr Bücher mit Ratschlägen, wie man sein Glück maximieren kann, und das löst bei vielen zu große Glückserwartungen aus.

Dabei geht es doch nur um Ausgeglichenheit und um die nötige Balance, die man im Leben braucht. Ständig nach dem Glück zu suchen, hilft da nicht weiter. Jeder muss für sich herausfinden, was ihn glücklich macht. Zum Beispiel, sich mit Menschen zu umgeben, die einem wichtig sind.

Das menschliche Streben nach Glück

Der griechische Philosoph Aristoteles war der Meinung: „Glücklich ist, wer ein gutes Leben führt“. Das machte er fest an einer guten Haltung und Einstellung gegenüber dem Leben. Für Aristoteles galt Glückseligkeit als Lebenszweck. Der Begriff dazu lautet Eudaimonie, was in philosophischen Texten eine gelungene Lebensführung nach den Anforderungen und Grundsätzen einer philosophischen Ethik und den damit verbundenen ausgeglichenen Gemütszustand bezeichnet, so Wikipedia.

Das „Streben nach Glück“ hat es sogar als originäres individuelles Freiheitsrecht in die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten geschafft, dem Gründungsdokument der ersten neuzeitlichen Demokratie. Dort wird es nach Thomas Jefferson als „Pursuit of Happiness“ bezeichnet.

Der heute bekannteste Ratgeber für den Weg zu einem glücklichen Dasein ist der Dalai Lama. Als ersten Schritt im Streben nach Glück betrachtet er das Lernen. Zudem bedürfe es einer Vielfalt von Vorgehensweisen und Methoden, wie zum Beispiel geeignete meditative Übungen, um negative Geisteszustände wie Hass, Eifersucht und Zorn mit der Zeit zu überwinden.

Glückshormone im Winter aktivieren

Für die Glücksgefühle sind vor allem unsere Hormone zuständig. Nachweislich sind dies Endorphine, Oxytocin sowie die Neurotransmitter Dopamin und Serotonin. Diese Botenstoffe werden im Gehirn freigesetzt, wenn wir uns wohl fühlen. Wenn unser Gehirn reichlich Glückshormone produziert, steigert sich wiederum unser Wohlbefinden und Glücksgefühle werden ausgelöst. Die Hormone müssen produziert werden, damit die Glücksgefühle im Körper ausgelöst werden, und das ist ja wie wir wissen ganz individuell.

Nässe, Kälte und Dunkelheit drücken die Stimmung im Winter

Werden die Glückshormone erst einmal freigesetzt, steigt unsere Motivation, wir haben mehr Energie und Elan, verspüren ein Hochgefühl. Unser Körper merkt sich, was der Auslöser war, also was das Hochgefühl, die gute Stimmung ausgelöst hat. Nun versuchen wir, diesen Vorgang zu wiederholen.

Der Verzehr von Schokolade zum Beispiel kann zu guter Laune und Wohlbefinden führen, weil sie Tryptophan enthält. Sich an kalten Wintertagen mit einer heißen Schokolade aufzuwärmen, kann also unweigerlich zu einem Hochgefühl führen. Das entscheidende Hormon für Glücksgefühle aber ist Dopamin.

Für eine ausreichende Dopamin-Produktion benötigen wir genügend Vitamin B6, B12 und Folsäure. Ausgeschüttet wird das Glückshormon, wenn wir bekommen, was wir wollen. Und das kann alles Mögliche sein, auch eine heiße Suppe oder ein leckerer Glühwein – und schon hat man ein Lächeln auf den Lippen. Anders ausgedrückt: Wenn wir Dinge tun, die uns glücklich machen, wird das Glückshormon Dopamin ausgeschüttet. Also, gönn dir öfter mal was!

Gegen Stimmungstiefs im Winter hilft Serotonin. Das Hormon wird im Magen-Darm-Trakt und im Gehirn hergestellt, es hilft gegen schlechte Stimmung, Konzentrationsschwäche, Schlafstörungen und Antriebslosigkeit. Serotonin ist ein Neurotransmitter, also ein Botenstoff zur Erregung der Nervenzellen.

Die Serotonin-Stars unter den Früchten sind Ananas, Bananen und Pflaumen. Tryptophan, die Vorstufe von Serotonin, findet sich in Nüssen, Samen, Kürbiskernen, Vollkorngetreide, Bananen, Schokolade mit hohem Kakaoanteil, Pilzen, Bohnen und Quark.

Sonnenlicht, frische Luft und die Natur

Endorphine werden beim Sport freigesetzt, und den sollte man, wenn möglich, den ganzen Winter betreiben. Das Hormon wird bei intensivem Sport, aber auch beim Lachen freigesetzt. Lachen halten wir für besonders anregend. Und auch Spaziergänge in der Natur können die Produktion des Hormons steigern und so Glücksgefühle anregen.

Also: Raus aus den vier Wänden und rein in die schöne Natur – schließlich regt auch Sonnenlicht die Serotoninproduktion an. 2016 haben US-amerikanische Forscher herausgefunden, dass die Sonne beim emotionalen Wohlbefinden den entscheidenden Unterschied macht. Wenn zu wenig Sonnenlicht vorhanden ist, kann die Serotoninproduktion auch mit Tageslichtlampen angekurbelt werden.

Weitere Glücklich-Macher im Winter

Forscher in Neuseeland, wo es bekanntlich viele Schafe und somit auch Wolle gibt, haben herausgefunden, dass Häkeln happy macht. Als winterlicher Stimmungsaufheller galt bisher das Stricken, dem früheren Studien zufolge nachgesagt wurde, dass es den Blutdruck senkt und Stress abbaut sowie Kreativität und logisches Denken fördert. Ihr könnt es aber auch mit Malen und Zeichnen, Musikmachen und mit dem Komponieren von eigenen Liedern probieren. Jede kreative Tätigkeit erhöht euer Wohlbefinden.

Im Winter, wenn die Dunkelheit vorherrscht, sollte man sich eine Auszeit gönnen. Das könnt ihr auf vielerlei Art machen. Massagen und wohltuende Bäder zum Beispiel können nicht schaden, und das lässt sich, da ja das Reisen zurzeit erschwert ist, auch prima zu Hause machen.

Also ein Wellness-Wochenende in der eigenen Badewanne. Wohltuende Bäder lösen Verspannungen, und so kann dein Körper wichtige Botenstoffe produzieren. Wohl dem, der eine Heim-Sauna hat, jetzt, da die öffentlichen geschlossen sind.

Der Gang in die Sauna entgiftet und euer Immunsystem wird gestärkt. Das fördert wiederum die Produktion eurer Glückshormone – und die können wir in den dunklen Tagen auch gebrauchen.

Nur sollte man sich auf der Suche nach dem Winterglück nicht zu große Hürden setzen. Kleine Veränderungen, ein gutes Essen, ein schönes Buch, ein Gläschen Wein und die guten Freunde können euch viel Freude bringen. Die Glücksforschung versteht ja „Glück“ als „Lebenszufriedenheit.

Zum Schluss noch ein paar Streicheleinheiten

Wir kuscheln zu wenig, meint der Leipziger Haptikforscher Dr. Martin Grunwald, dabei sei kuscheln überlebenswichtig. Affen tun es, Kattas tun es, Pinguine tun es. Nur wir tun es kaum noch, oder eben viel zu wenig, sagte er dem „mdr“.

Berührungsreize, so er Forscher, setzten Kuschel- und Glückshormone frei, und Kuscheln mache messbar glücklich. Und jetzt wird es traurig: „Primaten haben einen durchschnittlichen Körperkontakt von anderthalb Stunden pro Tag. Menschen über 30 in einer festen Partnerschaft oft nicht mal fünf Minuten„. Also, jetzt wo es draußen so schön düster ist, liegt es doch auf der Hand, sich gemeinsam aufs Sofa zu setzen und miteinander zu kuscheln.

Für die Ausschöpfung eurer Glückspotenziale raten wir gerade in diesem Winter zu einem entspannten Umgang.